Trautonium, Theremin und Co. – Wie Strom zu Klang wurde

Shownotes

Bereits vor 120 Jahren wurde darüber gesprochen, dass Musik wie Gas oder Wasser aus dem Hahn kommt. Das Telharmonium war der Vorgänger des heutigen Musikstreamings. Ein gewaltiges Instrument, das mit seinen 200 Tonnen mehrere Stockwerke füllte und in New York Musik per Telefonleitung übertrug - gegen eine monatliche Abo-Gebühr. In dieser Folge von "Die Welt der Klänge" nehmen Christian Conradi und Prof. Peter Kiefer euch mit zu den Ursprüngen dessen, was wir heute als selbstverständlich betrachten: künstlich erzeugte Klänge. Sie erzählen, warum das junge Telefonnetz in New York plötzlich mit Musik "verstopft" war, wie ein russischer Erfinder und Musiker zwischen Weltruhm und KGB-Haft ein magisches Instrument erschuf und welches Geheimnis hinter den verstörenden Vogelstimmen in Alfred Hitchcocks Horrorklassiker “Die Vögel” steckt. Freut euch auf eine Zeitreise durch die Welt der synthetischen Klänge!

Die Welt der Klänge ist ein Podcast von ARS, Art Research Sound, einem künstlerisch-wissenschaftlichen Forschungsprojekt der Hochschule für Musik Mainz an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz.

Beteiligte: Peter Kiefer, Christian Conradi

Musik (Intro/Outro): Artist Name: QAWALA Song Name: Puzzles (Instrumental) License #: 0961324136 Project Type: Podcast

Show notes Links zu : 120 Years of Electronic Music: 120years.net – Ein umfassendes Online-Archiv zur Geschichte und Entwicklung elektronischer Musikinstrumente. Das Feature “Der erste letzte Ton” über die Geschichte der EKi1 https://systemfehlerpodcast.podigee.io/26-der-erste-letzte-ton

Theremin DIY-Bausatz https://www.elektormagazine.de/news/schaltung-diy-rohrenfreies-theremin

Weitergehende Informationen zur DYI von elektronischen Klängen in Deutschland: Der bekannteste und erste große Selbstbau-Synthesizer, der über das Elektronik-Magazin Elektor veröffentlicht wurde, ist der "Formant“. Er wurde ab Mai 1977 in einer Reihe von Artikeln vorgestellt und entwickelte sich zu einem der populärsten DIY-Projekte für elektronische Musikinstrumente in den 1970er Jahren. https://www.empulsiv.de/berichte/537-siegfried-brueckner-und-sein-mega-for-mant#:~:text=Sich%20seinen%20ersten%20Synthie%20selber%20zu%20bauen%2C,ab%201977%20in%20der%20Elektronik%2DZeitschrift%20Elektor%20vorgestellt

Transkript anzeigen

00:00:14: Herzlich willkommen zum Podcast "Die Welt der Klänge".

00:00:16: Ich bin Christian Conradi, Journalist und Podcastproduzent.

00:00:19: Und ich bin Peter Kiefer, Komponist, Klangkünstler und Klangforscher an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

00:00:25: Diese Folge beginnen wir mit einem Klangbeispiel.

00:00:33: Was hören wir hier, Peter?

00:00:36: Wir hören einen Film, ein Klangbeispiel aus "Forbidden Planet", einem der ersten Science-Fiction-Filme überhaupt.

00:00:41: Und der ist aus dem Jahr 1956 und dort erklangen das erste Mal für eine breite Masse quasi zu hören rein elektronische Klänge von den Komponisten Bebe Barron und Louis Barron.

00:01:02: Und das war eben das allererste Mal, dass solche Musik einem breiten Publikum zugängig und hörbar war.

00:01:07: Warum wir das jetzt hier auch schon direkt am Anfang hören, hat einen Grund, denn heute beschäftigen wir uns mit künstlichen Klängen.

00:01:14: Bevor wir da gleich noch mehr eintauchen, mich würde gerade mal interessieren weiß man was über die Reaktion der Leute damals, 1956?

00:01:23: Ich kann mir vorstellen, das war ja durchaus auch verstörend.

00:01:26: Die Reaktionen..., die waren alle völlig begeistert, weil diese elektronischen Klänge natürlich, dieses Ankommen auf einem neuen Planeten, das erste Mal war ein UFO zu sehen,

00:01:36: eine fliegende Untertasse, das total verstärkt hat, und die waren völlig hin und weg.

00:01:40: Wenn man das Beispiel hört, ist einem klar, es sind künstliche Klänge, man sagt auch synthetische Klänge.

00:01:46: Was genau meint das eigentlich, diese Begriffe synthetisch, künstlich im Kontext von Klang?

00:01:52: Naja, generell wäre die Definition, dass es sich um Klänge oder Musik handelt, die eben mit elektronischen Geräten erzeugt oder eben manipuliert wurden.

00:02:00: Das sind zwei verschiedene Dinge, also Erzeugung und Manipulation.

00:02:04: Allerdings ist Strom erstmal immer dabei.

00:02:07: Es können auch elektroakustische Instrumente sein.

00:02:09: Und die reichen sogar bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück.

00:02:13: Warte mal, Mitte des 18. Jahrhunderts?

00:02:17: Also, entweder bin ich gerade im Kopf ganz woanders, aber gab es da überhaupt schon Strom?

00:02:22: Ja, tatsächlich nutzen Instrumente wie das Clavessin électrique

00:02:25: von Jean-Baptiste Delaborde aus dem Jahr 1759 eben Strom aus einer galvanischen Batterie.

00:02:32: Und das gab es damals schon.

00:02:33: Faszinierend.

00:02:34: Man lernt immer wieder was Neues hier in unserem Podcast, auch ich.

00:02:37: Also, das hört sich ja wirklich nach einer sehr langen und spannenden Geschichte an.

00:02:41: Wir konzentrieren uns aber erstmal nur auf die Klangerzeuger, die Meilensteine der Entwicklung waren.

00:02:47: Ich glaube, darauf können wir uns erstmal einigen, oder?

00:02:49: Ja, das müssen wir auch, denn es wären weit über 100 Beispiele aus der Geschichte, bevor wir überhaupt sowas über Synthesizer oder Computermusik sprechen könnten.

00:02:58: Ja, und ich meine, wenn man es dann noch weiter dreht mit dem jüngsten KI-Hype aktuell, haben ja künstliche Klänge nochmal eine ganz neue Ebene erreicht

00:03:07: und über die wollen wir natürlich auch noch sprechen. Aber wie gesagt, erstmal einen Schritt zurück, wenn du den Begriff Klangsynthese hörst, Peter, was kommt dir da als erstes in den Kopf?

00:03:16: Ja, ganz für mich persönlich ist es eine Erinnerung aus meiner Studienzeit.

00:03:19: Da stand ein kleiner Synthesizer in der Musikhochschule rum. Ich glaube, es war ein Korg MS-20, der hatte so eine kleine Tastatur und so Steckverbindungen.

00:03:27: Und der war dort und ich habe damit etwas rumgespielt eben. Das war natürlich alles komplett analog.

00:03:58: Interessant, ja, damit hast du also gespielt?

00:04:01: Ja, ohne richtig zu wissen, wie es funktioniert, war aber witzig.

00:04:04: Und wenn du von Klangsynthese sprichst, da war der Yamaha DX7,

00:04:08: der erste, einem größeren Publikum zugängliche Synthesizer, und der hatte eine sogenannte FM-Synthese und war eben komplett digital.

00:04:16: Ja, der hat die Popmusik der 80er Jahre überall dominiert und war überall präsent.

00:04:40: Und der hat die gesamte Klangästhetik eben dominiert und seine Klänge sind eben auch heute noch in Gebrauch.

00:04:46: Die elektronischen Liegeflächen und der digitale Röhrenglockensound sind legendär.

00:04:53: Mit diesem DX7 habe ich eben auch gearbeitet und stöhnte damals und theoretisch auch heute noch über seine sehr komplexe Programmierung,

00:05:00: die eben ein winziges zweizeiliges grünes LCD-Buchstaben-Display hatte.

00:05:06: Das war echt eine Herausforderung.

00:05:10: Okay, zweizeiliges Display, da kann ich mir vorstellen, dass es nicht ganz so einfach irgendwas ist zu programmieren.

00:05:17: Die Klangsynthese, die wurde ja mit der fortschreitenden Entwicklung der Elektronik und vor allem dann auch der Digitaltechnik immer leistungsfähiger und natürlich auch beeindruckender.

00:05:26: Aber lass uns nochmal zurückkommen auf die Bedeutung von künstlichen Klängen für Musik, Kunst und Gesellschaft.

00:05:33: Erstmal muss man sich klarmachen, dass es eine echte Zeitenwende war, als man Klänge künstlich erzeugen konnte.

00:05:38: Künstlich ist dabei etwas missverständlich ich meine Klänge eben ohne Musikinstrumente, also mit technischen Mitteln.

00:05:43: Und das ging schon lange vorher los, bevor es elektronische Schaltungen mit Röhren oder Transistoren gab.

00:05:49: Also wenn wir uns jetzt hier am Ende des 19. Jahrhunderts befinden,

00:05:52: müssen wir uns daran erinnern, dass erst 1877 der Phonograph von Thomas Edison eine Schallaufzeichnung und Wiedergabe ermöglichte.

00:05:59: Und das war damals für viele Leute schon magisch.

00:06:02: Es wurde teilweise auch als Teufelswerk bezeichnet, wenn menschliche Stimmen aus einem Apparat ertönten.

00:06:07: Ja, das ist auch total nachvollziehbar, wenn man

00:06:11: immer nur Schall aus dem Mund kannte, also von Menschen gesprochen oder aus Direktinstrumenten erzeugt, und auf einmal kommt es aus einem Apparat, ist schon eine Revolution.

00:06:21: Absolut.

00:06:22: Eben, dass auch der Mensch quasi dann noch eine zweite Repräsentanz hatte, das war für die Leute völlig schräg.

00:06:27: Und jetzt muss man sich vorstellen, dass ein paar Jahre später dann die ersten elektrischen Klänge ertönten.

00:06:33: Ich denke, das war für die Menschen damals so eine völlig neue Erfahrung und sehr intensiv, als wenn man heute mit VR-Brillen in eine Augmented Reality eintaucht.

00:06:42: Ja, damals gab es sicherlich auch schon Early Adopter, die dann die neue Technik ganz begeistert genutzt haben, und viele dachten, oh Gott, was ist das für ein Teufelszeug?

00:06:51: Ist eigentlich gar nicht so ein großer Unterschied zu heute. Ich kann mir vorstellen, dass das spannend war.

00:06:56: Es gab aber doch auch noch viele ganz besondere elektrische und elektronische Klangerzeuger aus der Zeit.

00:07:03: Du hast uns auch einige Beispiele mitgebracht, obwohl wir uns natürlich ein bisschen beschränken müssen.

00:07:08: Du hast gesagt, es wären sonst vielleicht Hunderte.

00:07:10: Ja, die Meilensteine davon würde ich gerne vier erwähnen.

00:07:13: Das ist das Telharmonium oder Dynamophon aus dem Jahr 1897.

00:07:17: Dann das sehr bekannte Theremin oder Aetherophon von 1920, die Ondes Martenot 1928 und im Jahr 1930 das Trautonium, dessen Klang sehr bekannt und heute noch populär ist, auch in der Popmusik verwendet worden ist.

00:07:31: Und wir erfahren auch, was der Regisseur Alfred Hitchcock mit dem Instrument zu tun hatte.

00:07:35: Da kommen wir gleich nochmal drauf zurück.

00:07:37: Also von den Dingen, die du aufgezählt hast, ist mir eigentlich nur eins ein bisschen vertraut.

00:07:41: Fangen wir doch mal an, die Liste abzuarbeiten.

00:07:43: Es geht los mit dem Telharmonium.

00:07:45: Was war das?

00:07:46: Das wurde 1885 von Thaddeus Cahill patentiert. Und man kann es ruhig als erstes bedeutendes elektrisches Musikinstrument bezeichnen.

00:07:55: Nun war das aber eigentlich kein Instrument im herkömmlichen Sinne, was man einfach kaufen und mitnehmen konnte, sondern es war ein 200 Tonnen schwerer Koloss.

00:08:03: Da brauchte man dann auch entsprechend Platz.

00:08:05: Ja, es war ein 200 Tonnen schwerer Koloss, der eben in mehreren Etagen eines Hochhauses in New York untergebracht war.

00:08:11: Das bestand aus mannshohen, metallenen Tonrädern, die sich in einem Magnetfeld drehten und so eben Wechselstrom generierten, der dann wiederum Töne erzeugte. Das ist so wie ein Dynamo am Fahrrad, nur eben viel, viel größer.

00:08:24: 200 Tonnen muss schon ein bisschen groß gewesen sein.

00:08:27: Ja, Cahill wollte das Instrument aber

00:08:29: kommerziell auch nutzen und verbreitete seine Klänge über das neu eingerichtete Telefonnetz an Teilnehmer zu Hause oder in Hotels oder im öffentlichen Raum.

00:08:37: Daher der Name Telharmonium, telegraphische Harmonie.

00:08:41: Ah, okay.

00:08:43: Es gab in der Zeit ja noch gar keine Verstärke oder Lautsprecher, sodass es nur über einen Telefonhörer zu hören war.

00:08:49: Und im Jahr 1906 versprach die Werbung

00:08:53: Musik aus dem Hahn wie Gas oder Wasser.

00:08:55: Warte mal, da wurde Musik übers Telefonnetz, was damals noch völlig neu war,

00:09:01: übertragen und Leute konnten das zu Hause oder im Hotel empfangen.

00:09:06: Und das Ganze hatte auch noch eine Analogie in der Werbung zu Wasser, also Streaming.

00:09:11: Das kommt mir bekannt vor.

00:09:12: Ja, das ist völlig schräg.

00:09:13: Es gab zwar auch eine Konzerthalle, wo man viermal täglich hingehen konnte und ein Konzert mit klassischer Musik zu hören war.

00:09:19: Der wurde übrigens nicht über Lautsprecher, sondern über große Trichter wiedergegeben, die eben den Klang aus dem Telefonhörer verstärkten.

00:09:25: Aber die New Yorker konnten über das Telefon 24 Stunden täglich den Klängen des Telharmoniums lauschen, allerdings war hier eine Abo-Gebühr von 5 Dollar im Monat zu zahlen.

00:09:35: Das ist ja total verrückt.

00:09:37: 1906 hast du gerade gesagt.

00:09:38: Das heißt, das ist ja 120 Jahre her und damals gab es eigentlich schon den Vorfahren von Spotify und Co., wenn ich das so richtig höre.

00:09:47: Absolut.

00:09:48: Wenn man das umrechnet, inflationsbereinigt und den Wert, was das heute wäre, wären so um die 150 bis 200 Dollar im Monat.

00:09:54: Also heute ist Musikstreaming doch ein bisschen günstiger, aber trotzdem total verrückt,

00:09:58: Musik wie aus dem Wasserhahn.

00:10:00: Also, man kann wirklich sagen, das Telharmonium, das war ein Vorläufer der heutigen Streaming-Dienste.

00:10:07: Wie lange gab es das eigentlich?

00:10:09: Es gibt eigentlich zwei Enden von dem Telharmonium.

00:10:11: Im Jahr 1908 schloss Cahill die Aussendung in New York.

00:10:15: Und zwar ist das eine verrückte Geschichte, denn wir haben ja gesagt, die Musiksignale würden über Telefonleitung, über Kabel übertragen und die lagen neben den Kabeln für normale Telefongespräche.

00:10:26: Aber das musikalische Signal war so stark, dass es auf die benachbarten Kabel eben übersprang.

00:10:31: Und die New Yorker, die einfach nur telefonieren wollten, hörten dann plötzlich unfreiwillig Musik.

00:10:36: Und auch die Händler in der nahegelegenen Börse beklagten sich bitter, weil sie sagten, oh, mir ist ein Geschäft durch die Lappen gegangen, weil ich eben nicht weiterreden konnte, sondern eben Musik gehört habe.

00:10:46: Und wegen dieser Klagen kündigte dann die Telefongesellschaft den Vertrag.

00:10:50: Schade eigentlich.

00:10:52: Ja, das ist wirklich schade, aber Cahill gab nicht auf.

00:10:54: Und er hoffte eben, jetzt weil es ein Radio gerade gab, Zitat "feine synthetische elektrische Musik ohne Kabel" in ganz New York übertragen zu können.

00:11:04: Also eben über das 1910 erfundene Radio.

00:11:07: Hier wiederum meldete sich die US Navy und beklagte, warum sie statt geheimer Morsesignale auf einmal die Ouvertüre zu Wilhelm Tell oder das Ave Maria hörten.

00:11:17: Somit musste auch diese Version der Verbreitung eingestellt werden und er hat eben kein Geld mehr damit verdienen können.

00:11:22: Ja, das klingt wirklich sehr, sehr abenteuerlich, aber wirklich großartige Geschichte über dieses erste elektronische Musikinstrument.

00:11:30: Leider muss man sagen, haben wir dazu keine Klangbeispiele.

00:11:35: Ja, wir wissen alles von den Patentschriften, von vielen Fotos und Berichten, aber wir haben eben keine Tonaufnahmen.

00:11:40: Vielleicht kann man noch sagen, dass das Telharmonium und seiner Art der Klangerzeugung Vorläufer eines Instruments war, das Jahrzehnte später seinen Siegeszug um die Welt antreten sollte: nämlich die Hammondorgel.

00:11:51: Diese arbeitete in der ersten Konstruktion eben auch mit Tonrädern, aber eben viel kleineren.

00:11:57: Okay, jetzt haben wir also das Telharmonium sozusagen hinter uns gelassen.

00:12:01: Als nächstes steht auf deiner Liste das Theremin.

00:12:04: Das hat ja auch in den USA große Erfolge gefeiert.

00:12:08: Das haben sicherlich schon viele mal gehört, ich auf jeden Fall schon diverse Male.

00:12:12: Und dazu haben wir glücklicherweise Klangbeispiele.

00:12:44: Ja, also der Klang kommt sicherlich nicht nur mir bekannt vor, natürlich früh auch schon eingesetzt in Science Fiction und Horrorfilmen.

00:12:52: Auch die Beach Boys haben das Theremin verwendet. Ich glaube im Stück "Good Vibrations" war es, ist natürlich in Filmmusik zu hören, im Titelvorspann von "Midsomer Murders" oder "Inspector Barnaby".

00:13:05: Also, das Theremin hat wirklich die Runde gemacht in der Kultur.

00:13:13: Ja, absolut, aber auch Tom Waits hat es genutzt. Wir müssen uns hier aus Urheberrechtsgründen leider auf die historischen Beispiele beschränken, aber die hört man ja auch seltener.

00:13:23: Und im Netz kann man sich eben auch aktuelle Beispiele mal anhören und raussuchen.

00:13:30: Also der Erfinder des Theremins,

00:13:32: Lew Sergejewitsch Termen, später hat er sich dann umbenannt in Leon Theremin, war ja Russe.

00:13:38: Wie ist er denn nach Amerika gekommen?

00:13:40: Lew Theremin hat erstmal Cello und Physik studiert, und zwar in St. Petersburg.

00:13:44: Und 1920 präsentierte er dort sein Aetherophon.

00:13:49: Das hieß so, weil das Instrument aus zwei Antennen besteht, die berührungslos gespielt werden und somit quasi Klänge aus dem Äther erzeugen, also aus der Luft.

00:13:58: Die Hände vollziehen dabei bewegte und fast magische Gesten in der Luft, ohne eben das Instrument und eine Saite oder eine Taste zu berühren.

00:14:05: Und das war für die Leute damals völlig faszinierend.

00:14:08: Die haben die Performance gesehen

00:14:10: und waren völlig begeistert, wie kann das überhaupt sein?

00:14:14: Und seine Welttournee, die er ab 1927 unternahm, war ein durchschlagender Erfolg. Die Säle waren voll.

00:14:21: Ist auch heute immer noch beeindruckend, würde ich sagen, wenn man so eine Art von Instrument sieht.

00:14:25: Absolut.

00:14:26: Er ließ sich dann eben in New York nieder und war als absoluter Star bekannt

00:14:31: und gründete mehrere Thereminorchester und erfand sogar ein Tanztheremin, was die Bewegung einer Tänzerin in Klänge umwandelte, also eine Art interaktives Environment truth.

00:14:42: Er selbst war, wenn er performte, im Frack eine sehr elegante Erscheinung und seine führende Solistin Clara Rockmore war eine Schönheit.

00:14:51: Und das trug eben durch die unverwechselbare Aura zur Verbreitung des Theremins bei.

00:14:56: Der visuelle Eindruck, ganz wie heute in der Popmusik, war auch Bestandteil des Erfolges und das zusammen mit dem geisterhaften Klang war ein absoluter Publikumsbrenner.

00:15:06: Ja, also es gab und gibt auch immer noch zu sehen zahlreiche Plakate und auch Konzertberichte aus dieser Zeit.

00:15:13: Aber irgendwann war es dann ja auf einmal ganz plötzlich zu Ende. Warum?

00:15:17: Ja, diese historischen Musikinstrumente haben irgendwie auch mal eine verrückte Geschichte dabei.

00:15:21: Denn in 1938 verschwand Theremin unter völlig ungeklärten Umständen.

00:15:26: Es gab viele Gerüchte, er sei vom KGB entführt worden, er sei verstorben, er sei ermordet worden.

00:15:32: Keiner wusste irgendwie was und er geriet in Vergessenheit. Erst 1976 stellte sich heraus, dass er noch lebte.

00:15:38: Er war tatsächlich im KGB-Gewahrsam in Russland und musste seinen Erfindungsgeist für sie einsetzen und zum Beispiel Alarmanlagen oder Abhörgeräte entwickeln.

00:15:48: Schließlich wurde er dann Leiter des Labors für Akustik in Moskau, am Moskauer Konservatorium.

00:15:53: Dort entdeckte ihn allerdings ein amerikanischer Journalist auf einer Russlandreise.

00:15:57: Und dieser schrieb dann 1967 einen Artikel in der New York Times.

00:16:02: Daraufhin wurde Theremin wieder entlassen.

00:16:05: Wieder geriet er in Vergessenheit und lebte völlig verarmt in einer ganz kleinen Wohnung in Moskau.

00:16:10: Erst nach Glasnost, Anfang der 90er Jahre, durfte er ausreisen,.

00:16:13: Damals war er ja 94 Jahre alt.

00:16:16: Und er wurde überall international geehrt und hat seinen Theremin dort präsentiert.

00:16:21: Besonders bewegend fand ich ein filmisches Dokument, in dem er in New York nach über 50 Jahren auf die ebenfalls hochbetagte Clara Rockmore trifft.

00:16:30: Ja, also wirklich eine unglaubliche Geschichte.

00:16:33: Ja, es klingt fast wie so ein Krimi oder wie so ein James-Bond-Film, wenn man sich überlegt, dass er

00:16:39: ein revolutionäres Instrument entwickelt hat, super erfolgreich war, auf Welttournee, dann entführt wurde, gezwungen wurde, ja, Wanzen zu entwickeln und

00:16:49: dann irgendwie doch zum Ende seines Lebens wieder in die Weltöffentlichkeit kam für seine elektronischen Klänge. Großartig!

00:16:56: Ja, hier können wir nochmals Clara Rockmore hören in ihrem Apartment in New York.

00:17:01: Und sie spielt "The Swan", der Schwan, aus dem "Karneval der Tiere" von Camille Saint-Saëns in der Aufnahme von 1976.

00:17:43: Soweit also die faszinierenden Klänge des Theremins.

00:17:47: Und, Peter, du hast ja gesagt, das war das erste Instrument, das elektronisch, also nicht elektrisch wie das Telharmonium, Töne erzeugt.

00:17:58: Und somit auch als Wegbereiter für später aufkommende Erfindungen wie Synthesizer gilt.

00:18:02: Kannst du mal kurz erklären, wie das Theremin eigentlich funktioniert?

00:18:05: Ja, da versuche ich mal mein Bestes, denn das Theremin hat zwei elektronische Schaltungen, die extrem hochfrequente Schwingungen erzeugen.

00:18:13: Das geht bis zu fünfhunderttausend Hertz, also Schwingungen pro Sekunde, und diese sind für uns absolut im unhörbaren Bereich für uns Menschen.

00:18:21: Und dazu wurden eben Elektronenröhren genutzt.

00:18:23: Einer dieser Schwingkreise hat eine feststehende Frequenz, also brummt immer vor sich hin oder pfeift vor sich hin.

00:18:29: Der andere ist an eine Antenne angeschlossen,

00:18:32: der die Frequenz des Schwingkreises modulieren kann.

00:18:35: Und das geschieht, indem sich eine Hand der Antenne nähert und dadurch das elektromagnetische Feld reguliert.

00:18:42: So werden die Frequenzen des zweiten Oszillators verändert.

00:18:46: Addiert man beide, entsteht eine sogenannte Differenzschwingung

00:18:49: und diese liegt im Hörbereich und wird verstärkt und über einen Lautsprecher wiedergegeben.

00:18:54: So entsteht ein Tonbereich von ungefähr fünf Oktaven, das ist eine ganze Menge.

00:18:58: Und der hat aber keine feste Skala.

00:19:00: Nähert man sich der Antenne, entsteht ein Glissando.

00:19:03: Also, es braucht wirklich sehr viel Übung und ein gutes Ohr, um ohne einen Anhaltspunkt in der Luft Melodien spielen zu können.

00:19:10: Die linke Hand agiert auch und reguliert die Lautstärke an einer zweiten Antenne.

00:19:14: Lydia Kavina, die ich mal zu einem Seminar einladen durfte,

00:19:17: hatte in sehr jungen Jahren noch Unterricht bei Lev oder Leon Theremin selber, der ihr Großonkel war,

00:19:23: und ist heute noch eine sehr anerkannte und meisterhafte Solistin auf dem Theremin.

00:19:28: Ja, also ich muss sagen, wann immer ich auch irgendwo Aufnahmen sehe, wo jemand Theremin spielt, bin ich immer, frage ich mich, wie geht das?

00:19:36: Wie kann man dieses Instrument beherrschen?

00:19:40: Ich habe gehört, dass Robert Moog in seiner Jugend selbst auch Theremins gebaut hat und absolut fasziniert war

00:19:48: und der Name ist vielleicht schon mal dem einen oder anderen begegnet.

00:19:51: Der ist ja quasi der Erfinder des ersten Synthesizers und seine Experimente mit dem Theremin, die haben ihn offensichtlich inspiriert,

00:19:58: selbst ein elektronisches Musikinstrument zu bauen.

00:20:01: Ja, Robert Moog ist natürlich legendär.

00:20:02: Mini-MOOG und Moog und Moog-Synthesizer kennt eigentlich jeder Musiker.

00:20:07: Aber der Ursprung liegt im Jahr 1949.

00:20:09: Da hat er sein erstes eigenes Theremin gebaut.

00:20:12: Und er war absolut begeistert davon.

00:20:14: Und er schrieb einen Artikel im "Journal Electronic Worlds".

00:20:18: Und so wurde das Theremin verbreitet für Elektronikinteressierte.

00:20:23: Und es gab einen Bausatz dabei.

00:20:25: Und jeder konnte sich so sein eigenes Theremin bauen.

00:20:28: Ja, und das übrigens, liebe Hörerinnen und Hörer, falls ihr Lust bekommen habt, auch einen Theremin zu bauen,

00:20:34: Bausätze und Anleitungen finden sich natürlich auch heute noch im Internet. Vielleicht können wir einen Link finden, den wir in die Shownotes packen.

00:20:41: Ja, das ist auch gar nicht so teuer übrigens.

00:20:43: Und nachdem Robert Moog seine sehr erfolgreiche Synthesizer-Firma verkauft hatte,

00:20:48: wandte er sich 1990 wieder dem Theremin zu.

00:20:51: Also, es erfuhr eine Renaissance und so wurde ausgerechnet Moogs erstes Produkt mit dem Namen "Big Briar" wieder sein Lebensinhalt.

00:20:58: Und das Prinzip des Theremin findet sich auch als Sensor zur interaktiven Steuerung und Installationen oder Medienkunst- Anwendung, ohne dass hier Klänge erzeugt würden.

00:21:07: Das war übrigens auch das Prinzip der Alarmanlage, die Theremin für den KGB entwickelt hat.

00:21:11: Man nähert sich und es entsteht ein Signal.

00:21:14: Aber ich frage jetzt mal so ein bisschen kritisch, ja?

00:21:16: Also natürlich, Entwicklung, alles toll, aber die Klänge selber sind jetzt ja nicht so sehr elektronisch.

00:21:24: Also da stelle ich mir heute doch ein bisschen was anderes vor.

00:21:27: Ja, das stimmt schon.

00:21:28: Es hört sich immer an wie ein reales Instrument und ist nachempfunden fast Cello-artig.

00:21:35: Im Prinzip wollte man das auch.

00:21:37: Man wollte mit elektronischer Technik ein Instrument erschaffen, was eigentlich so wie die anderen Instrumente ist, aber eben ein bisschen andere Klänge erzeugt.

00:21:44: Aber auch schräge Klänge, das wollte man einfach damals nicht.

00:21:47: Um das nachzuvollziehen zu können, muss man im Prinzip mal die Entwicklung der Klangfarben in der Musik sich anschauen.

00:21:54: Denn im Prinzip war es erstmal der mehrstimmige Gesang, der dann durch Instrumente übernommen wurde.

00:22:00: Ich meine, du hast mir auch schon mal erzählt, dass man das ja auch in der Musik sehr oft findet, bei Instrumenten, zum Beispiel bei Blockflöten,

00:22:07: dass die auch den menschlichen Singstimmen nachempfunden sind.

00:22:11: Heute ist da ja auch immer noch die Rede bei Blockflöten von Sopran, Alt- und Tenorblockflöte zum Beispiel.

00:22:17: Ja, eben genau wie die Stimmlagen im Chor.

00:22:19: Und der Tonumfang ist natürlich begrenzt.

00:22:22: Und blicken wir auf die jahrhundertlange Geschichte, kann man eben sagen, dass in der gesamten Entwicklung von Instrumentalensembles oder Orchestern

00:22:30: von der Klassik bis zur Romantik erstmal der Tonumfang erweitert wurde.

00:22:35: Es wurden Instrumente erfunden, die immer höher spielten und immer höher klangen oder immer tiefer.

00:22:39: Schauen wir uns die Piccolo-Flöte an oder ein Kontrafagott, oder es gibt auch noch viel skurrilere Instrumente.

00:22:45: Durch die Mischung all dieser Klangfarben und all dieser Instrumente werden immer neue Klänge erzeugt und das ist eben auch die Meisterschaft der Komponisten in Instrumentation, insbesondere Ende der Klassik und im Impressionismus.

00:22:59: Ein besonders gutes Beispiel ist natürlich Claude Debussy.

00:23:02: Dann kamen noch Schlaginstrumente hinzu, die reine Klangerzeuger ohne besondere Tonhöhe sind,

00:23:07: also Tam-Tam, Woodblocks, Ratschen, Becken und so weiter. So wurde das Geräuschhafte und Klanghafte zur Instrumentation hinzuaddiert.

00:23:15: Und Anfang des 20. Jahrhunderts waren aber dann irgendwie die Möglichkeiten neuer Klangfarben durch akustische Instrumente mehr oder weniger erschöpft.

00:23:23: Man hatte alles ausprobiert, alle Kombinationen.

00:23:25: Und deshalb stürzten sich auch die Komponisten auf elektronische Klangerzeuger, die eben künstliche und damit neue Klänge erzeugten.

00:23:32: Ja, und da wurde doch ein Instrument auch wieder nach dem Erfinder benannt, die Ondes Martenot nach Maurice Martenot.

00:23:39: Und ja, das heißt die Schwingungen oder Wellen des Martenot.

00:23:44: Und dieses Instrument

00:23:45: wurde auch viel in Orchestern genutzt.

00:23:48: 1928 wurde das erfunden.

00:23:50: Und es ist auch heute noch im Einsatz und man kann es sogar an der Pariser Musikhochschule als Hauptfach studieren.

00:23:57: Das finde ich besonders interessant, dass man so ein ausgefallenes Instrument an einer Hochschule studieren kann.

00:24:02: Ja, ist tatsächlich verbreiteter, als man vielleicht zuerst denkt.

00:24:06: Zu Martenot: Er war Cellist und Pianist in Frankreich.

00:24:09: Während des Ersten Weltkriegs wurde er als Funker eingesetzt und hörte dort elektronische Geräusche, die er dann für die Musik nutzen wollte.

00:24:17: Er traf auch Lev Theremin.

00:24:19: Wollte aber kein Instrument, was nur von Spezialisten gespielt werden kann, sondern ein vielseitiges elektronisches Instrument, das Orchestermusikern sofort vertraut war.

00:24:28: Und so entstand, wie du sagst, 1928 eben sein Ondes Martenot.

00:24:32: Es besteht aus einem Spieltisch mit einer metallenen Saite, an der ein Fingerring befestigt ist und der weiter nach rechts oder links geschoben eben unterschiedliche Tonhöhen erzeugt.

00:24:43: Später wurden die Ondes dann durch eine Tastatur ergänzt, sodass beides möglich war, feste Tonhöhen anzusteuern und dazwischen Glissandi wie auf einem Streichinstrument zu spielen.

00:24:53: Der Erfolg der Ondes Martenot war übrigens zum Nachteil des Theremins.

00:24:57: Beide nutzten die gleiche Technik, Vakuumröhren und als Klangquelle eben Oszillatoren.

00:25:03: Und beide waren monophon, also konnten immer nur eine Stimme spielen.

00:25:06: Und sie ähnelten sich auch klanglich irgendwie.

00:25:09: Aber das Ondes Martenot hatte eben eine Tastatur, die beweglich war,

00:25:13: ein Ribbon Control für das Glissando und Vibrato und orgelähnliche Register für voreingestellte Klangfarben

00:25:19: und ein Aussehen, das jedem Keyboarder mehr oder weniger vertraut war.

00:25:23: Und obwohl es schon einige an elektronische Klänge anmutende Funktionen hatte,

00:25:28: wurde es von Komponisten wie zum Beispiel Olivier Messiaen immer noch im Prinzip instrumental wie ein erweitertes Cello eingesetzt.

00:25:35: Jetzt haben wir schon so viel über das Ondes Martenot gesprochen. Jetzt wollen wir es auch mal hören.

00:26:03: Ja, wir hören Thomas Bloch, der eine Ondes-Martenot- Demonstration quasi macht, seine unterschiedlichen Möglichkeiten zeigt.

00:26:19: Peter, du hattest ja versprochen, noch zu erzählen, was elektronische Musik und Krimis miteinander zu tun haben.

00:26:26: Ich glaube, Alfred Hitchcock, der Name, fiel vorhin.

00:26:29: Worum handelt es sich da?

00:26:30: Ja, hier geht es um das Trautonium.

00:26:32: Es ist jetzt wieder in Deutschland.

00:26:34: Es wurde erfunden von Friedrich Trautwein, einem Ingenieur.

00:26:37: Der war schon als Kind musikalisch interessiert und erlernte das Orgelspiel in der Kirche.

00:26:42: Studierte dann später Elektrotechnik und Physik.

00:26:45: Der arbeitete dann in einer sogenannten Rundfunkversuchsstelle der Berliner Musikhochschule.

00:26:51: An der auch der berühmte Komponist Paul Hindemith war und den traf er dort.

00:26:56: Beide diskutierten, dass die Mikrofone der Zeit eigentlich für Musikaufnahmen unzureichend waren.

00:27:02: Und so überlegten sie, ob man Musik nicht direkt erzeugen konnte.

00:27:05: Hindemith soll darauf gesagt haben: "Bauen Sie mir doch mal ein elektronisches Musikinstrument."

00:27:10: Und das tat Trautwein dann auch, gemeinsam mit seinem Schüler und Assistent Oskar Sala.

00:27:14: Eine neuartige Anordnung elektronischer Bauteile gibt seltsame Quäktöne von sich als erstes Experiment.

00:27:21: Hindemith war aber völlig begeistert und sagte: "Doktor Trautwein,

00:27:25: wenn Sie es schaffen, daraus ein Instrument zu bauen, und zwar am besten gleich drei, dann machen wir einen elektrischen Abend und ich komponiere was dafür."

00:27:33: Und so geschah es dann auch.

00:27:34: Am 20. Juni 1930 erklangen in der Reihe "Neue Musik Berlin" sieben Stücke für drei Trautonien von Paul Hindemith.

00:27:42: Mit dem Titel, sehr witzig, "Des kleinen Elektromusikers Lieblinge".

00:27:46: Da hören wir mal einen Ausschnitt draus.

00:28:46: Okay, jetzt verstehe ich auch, was Hindemith meinte mit seltsame Quäktöne.

00:28:52: Also, na gut, also es hört sich

00:28:54: meistens doch eher wie Oboen oder Trompeten an vielleicht.

00:28:59: Das ist so ein bisschen so eine Assoziation da, die da kommt.

00:29:02: Aber es war ja auch erst eine frühe Version des Trautoniums.

00:29:05: Ja und bei diesem kleinen Trautonium, das Metalltasten über einem Draht hatte, gab es sogar eine Art demokratischen Ansatz.

00:29:12: Denn damals war Hausmusik ja eben das Spiel auf akustischen Instrumenten, allein oder in einer Gruppe, das berühmte Streichquartett im Wohnzimmer.

00:29:20: Trautwein wollte sein Instrument zu einem Volkstrautonium machen.

00:29:24: Dabei war es von Vorteil, dass viele Haushalte schon 1930

00:29:27: bereits einen Radioapparat hatten, der einen Verstärker mit Lautsprecher hatte, an den man auch externe Quellen anschließen konnte, eben ein Trautonium.

00:29:35: Trautmann kooperierte dann mit der Radiofirma Telefunken und ab 1932 gab es das Volkstrautonium zu kaufen.

00:29:43: Und die Idee war eben, dass jeder Hausmusik mit elektronischen Instrumenten machen könnte.

00:29:49: Ja, okay, bis sich das wirklich richtig durchgesetzt hat, hat es aber eigentlich noch gute 50 Jahre gedauert.

00:29:55: Also Firmen wie zum Beispiel Casio in den 1980er Jahren aus Japan, die haben dann ja so mit ihren Mini-Keyboards wirklich leicht zu spielende Instrumente angeboten und die haben sich dann wirklich überall etabliert.

00:30:08: Jeder und jede Person wollte so ein musikalisches Spielzeug haben.

00:30:17: Wir hören jetzt das elektronische Casio-Gequäke, aber bei Trautwein und beim Trautonium finden wir noch viel komplexere Klänge.

00:30:29: Das wurde eben immer weiterentwickelt und zwar maßgeblich eben von Oskar Sala.

00:30:33: Und man konnte nicht nur herkömmliche Musikinstrumente nachahmen, sondern auch Vocale, Tierstimmen und synthetische Klänge.

00:30:40: Durch die Spielweise erlaubte das Trautonium im Gegensatz zu einem Keyboard völlig andere Ausdrucksmöglichkeiten.

00:30:45: Dass das Trautonium dann nicht so weit verbreitet war, lag an seinem Preis, es kostete 380 Reichsmark.

00:30:52: Ziemlich teuer für einen Arbeiter, das waren zweieinhalb Monatsgehälter.

00:31:15: Ja, das konnte sich ganz sicherlich nicht jeder und jede leisten damals.

00:31:19: Aber eigentlich wolltest du noch was zu elektronischen Klängen und Hitchcock erzählen, oder?

00:31:24: Natürlich, denn nach dem kommerziellen Misserfolg überließ Trautwein die Weiterentwicklung Oskar Sala, seinem Schüler,

00:31:32: und der hat ein Mixtur-Trautonium gebaut und in seinem Berliner Studio stehen gehabt.

00:31:37: Und jetzt kommt endlich die angekündigte Story.

00:31:40: Alfred Hitchcock war auf der Suche nach den Soundeffekten für seinen Film "Die Vögel", das kennt vielleicht jeder.

00:31:47: Und er besuchte 1962 Oskar Sala in Berlin und spielte sogar selbst auf dem Trautonium, was Fotos belegen.

00:31:53: Er bat Sala um eine Probevertonung des legendären Angriffs der Vögel auf Schüler und die Hauptdarstellerin.

00:32:00: Und ihm war dabei ganz besonders wichtig, dass die Klänge zwar den Vögeln ähnelten, aber eine eigene Qualität hatten

00:32:08: und so das Ergebnis eben noch intensiver und den Horroreffekt noch intensiver unterstützten.

00:32:13: Hitchcock war dann vom Ergebnis komplett begeistert und ließ sogar den ganzen Film von Sala und seinem Kollegen Gassmann vertonen.

00:32:21: Bemerkenswert ist eben auch, dass der gesamte Film eben keine andere Filmmusik hat,

00:32:26: sondern nur mit künstlichen Vogelstimmen und anderen Geräuscheffekten unterlegt ist und auch Passagen mit Stille die Spannung erhöhen.

00:32:33: Wir hören jetzt ein Klangbeispiel.

00:32:35: Den Angriff der Vögel auf die Schulkinder.

00:33:05: Ja also, auch wenn ich es gerade nur höre und nicht sehe, die Bilder habe ich, glaube ich, sofort vor Augen.

00:33:10: Wirklich verstörend.

00:33:11: Auch heute noch gruselig, kann man durchaus sagen,

00:33:14: "Die Vögel" von Alfred Hitchcock.

00:33:16: Aber wenn wir jetzt nochmal aufs Trautonium kommen.

00:33:19: Natürlich ein Riesenerfolg durch diesen Film, auch in diesem Film, aber ist es heute noch aktuell?

00:33:25: Na, es gab halt nur wenige Exemplare.

00:33:27: Eines davon befindet sich heute im Deutschen Museum in München.

00:33:30: Oskar Sala hat immer weiter daran gebaut und neue Elemente hinzugefügt. Und eigentlich war sein Instrument also ein Einzelstück.

00:33:37: Es gab auch gelegentlich neue Kompositionen von anderen Leuten, und Oskar Sala selber hat sehr viele

00:33:42: Filmmusiken geschrieben, er war ja Komponist und eben vertont.

00:33:46: Ich konnte damals Oskar Sala in seinem Studio in Berlin besuchen, und da beklagte er sich schon, dass es nicht viele Interessenten gab, ein solches Instrument zu erlernen.

00:33:54: Nun, ist ja klar. Es gab nur weltweit wenige Exemplare, man konnte sie so gut wie gar nicht transportieren.

00:34:00: Und warum sollte dann ein junger Mann oder Frau eben das Instrument erlernen?

00:34:04: Ich kenne heute nur einen einzigen Solisten, nämlich Peter Pichler,

00:34:07: der mit einem 2009 gebauten, transportablen Trautonium sehr erfolgreich unterwegs ist und weltweit Konzerte gibt.

00:34:15: Ja, bevor wir uns jetzt noch mit aktuelleren Entwicklungen der künstlichen Klänge befassen, wollen wir noch mal reinhören in Oskar Sala.

00:34:22: Dieses Spiel auf der Saite war schon bei dem ersten Trautonium von Professor Trautwein erfunden worden.

00:34:33: Eine Metallschiene, eine Saite,

00:34:37: und dahinter ein Kästchen, in dem, Radioapparat ähnlich, in dem das Trautonium untergebracht war.

00:34:43: Und wenn man nun

00:34:45: Saite und Schiene zum Kontakt brachte an verschiedenen Stellen.

00:34:54: Und wenn man auf der Saite entlanggleitet,

00:34:59: gibt es ein Glissando oder Portamento.

00:35:05: Vibrato natürlich.

00:35:09: Hier haben wir gerade nochmal Oskar Sala gehört und du hast ja auch erzählt, du hast ihn sogar persönlich treffen können.

00:35:15: Hast du noch so einen bedeutenden Protagonisten der künstlichen Klänge kennengelernt?

00:35:20: Ja, eigentlich der Pionier der elektronischen Musik in der zeitgenössischen Musik, nämlich Karl-Heinz Stockhausen.

00:35:26: Allein über ihn könnte man natürlich eine ganze Podcast-Reihe machen, aber hier nur so viel.

00:35:30: Er hat als erstes die additive Klangsynthese umgesetzt und zwar im Studio des WDR.

00:35:35: Anfang der 50er Jahre war das.

00:35:38: Dort gab es keine Instrumente, es standen eigentlich nur Messinstrumente wie Oszillatoren und so weiter zur Verfügung.

00:35:44: Er hat diese Klänge dann addiert und auf Tonband aufgenommen und damit gemischt, denn ein Mischpult gab es auch noch nicht.

00:35:51: Das ist im Prinzip die Grundlage aller Synthesizer, die mit additiver Synthese arbeiten.

00:35:56: Also das heißt, man hat ein Tonband, man nimmt was auf, spult zurück, nimmt wieder auf, spult zurück, nimmt wieder auf und so legt man dann verschiedene Klänge übereinander, richtig?

00:36:05: Ja, er hatte schon mehrere Tonbandmaschinen, die er dann zusammenfügen konnte.

00:36:09: Das Verrückte ist aber, dass er nicht laut und leise machen konnte.

00:36:12: Deshalb hat er die Tonbandausschnitte genommen und schräg angeschnitten auf ein blankes Tonband getan

00:36:19: und dadurch entsteht eben ein Anstieg in der Lautstärke.

00:36:23: Das war monatelange Arbeit.

00:36:25: Völlig verrückt, wenn man das heute sieht.

00:36:26: Heute ziehen wir im Computer einfach nur Volumenregler hoch.

00:36:30: Aber das Wichtige bei Stockhausen ist, er wollte nie Instrumentalklänge imitieren, sondern für ihn war die Erschaffung des Klangs selber schon der kreative Akt.

00:36:39: Und der sollte rein elektronisch sein.

00:36:41: Er schuf eine neue Welt und etablierte unter anderem auch eine neue Konzertform, nämlich das Lautsprecherkonzert.

00:36:47: Das fand erstmals 1956 im Sendesaal des WDRs vor einem großen Publikum statt und Karl-Heinz Stockhausen führte im Rahmen der Reihe "Musik der Zeit" rein synthetische Klänge über Lautsprecher auf.

00:37:00: Das war ein Meilenstein in der Musik, da erstmals Musik ohne Musiker präsentiert wurde.

00:37:05: Zwar erinnern wir jetzt an die anderen Beispiele, aber hier war es wirklich wie ein Konzertsaal, wo die Leute das Publikum kamen und auf einmal war die Bühne leer. Nochmal völlig irritierend.

00:37:13: Ja, also wir haben ja schon gesagt, wir müssen uns ein bisschen begrenzen, was die Auswahl der elektronischen Musikinstrumente angeht.

00:37:19: Und wer jetzt aber Lust bekommen hat, sich weiter mit elektronischen Musikinstrumenten auseinanderzusetzen,

00:37:26: also wir haben in unserer Recherche über 100 gefunden, schaut am besten einfach mal im Netz vorbei auf 120years.net.

00:37:37: Da ist ein wirklich toll aufbereitetes Archiv diverser elektronischer Musikinstrumente.

00:37:41: Ja, wir wollen ja auch zu den aktuellen Entwicklungen kommen, aber fassen wir hier erst nochmal die historischen Anfänge und ihre Bedeutung und Relevanz für die Gesellschaft zusammen.

00:37:50: Cahill wollte Ende des 19. Jahrhunderts Klänge in die Wohnung der Leute bringen, noch bevor es Radio gab.

00:37:56: Ja, und Theremin erstaunte mit seinen Konzerten der Musik aus dem Äther das Publikum.

00:38:01: Es war aber ein Instrument, das nur Expert*innen bedienen konnten.

00:38:05: Martenot brachte mit seinen Ondes elektronische Klänge in das Orchester und Trautwein wollte ein elektronisches Volksinstrument für jedermann und natürlich auch für jede Frau.

00:38:15: Ja, klar.

00:38:16: Und wir wollen noch ein Instrument erwähnen aus der damaligen DDR.

00:38:20: Und das hast du so, Christian, doch gefunden.

00:38:22: Und das war auch mir völlig unbekannt.

00:38:24: Es ist eine aus 250 Elektronenröhren bestehende Elektronenorgel.

00:38:28: Und wenn man sie öffnet, sieht es eigentlich aus wie ein analoger Computer.

00:38:32: Ja, also wirklich absolut faszinierende Geschichte und Instrument.

00:38:36: Es war die oder ist die EKI 1, eine elektronische Toccata-Orgel.

00:38:41: Die in den 50er Jahren auch entwickelt wurde, allerdings eben in Ost-Berlin, in der ehemaligen DDR.

00:38:47: Und die Geschichte dieses Instruments habe ich vor ein paar Jahren in einem Radio Feature erzählt,

00:38:51: dafür habe ich unter anderem Wolfgang Mögling vom Industriesalon Schöne Weide besucht.

00:38:56: Und aus diesem Feature hören wir einen kleinen Ausschnitt, der ganz wunderbar erzählt,

00:39:01: wie man echte Klänge elektronisch nachahmen kann und wie damals die Ingenieure vorgegangen sind.

00:39:07: Elektronen und Orgeln waren in den 50er Jahren Mode,

00:39:10: also auch international.

00:39:11: Man hat sich damit beschäftigt, nicht nur in der DDR.

00:39:14: Auch in Westdeutschland und es gab auch schon Orgeln vorher.

00:39:17: Aber man hat denen angehört, das ist eine Elektronen-Orgel.

00:39:25: Man hört das ist eine Hammondorgel, das ist keine Kirchenorgel.

00:39:28: Es gab noch mehr Oskar Sala haben schon in den 30er Jahren Versuche gemacht mit Orgeln, aber die Töne, die da rauskamen, die waren eben nicht so, dass man Bachs "Toccata" hätte drauf spielen können.

00:39:42: Das Entwicklungsziel war, diese elektronische Orgel vom Höreindruck so zu gestalten, dass sie

00:39:49: nicht zu unterscheiden ist von einer Pfeifenorgel.

00:39:55: Um das realisieren zu können, braucht man geeignete Elektronikingenieure.

00:40:00: Und die gibt es Anfang der 50er in der DDR vor allem in Berlin, im WF - das Werk für Fernsehelektronik.

00:40:07: Ein volkseigener Betrieb, der unter anderem Elektronenröhren produziert. Dort arbeitet Heinz Finder im Akustiklabor.

00:40:17: Wir sind also in der DDR rumgefahren, in Freiberg, in Röther, in die Silbermann-Orgel.

00:40:23: Wir haben Aufnahmen gemacht und haben mit diesen Aufnahmen uns

00:40:27: über Oszillografen genau angeguckt, wie sind die Einschwingvorgänge, wie sind die Ausschwingvorgänge dieser Silbermann-Orgel.

00:40:33: Was hat die Silbermann-Orgel überhaupt für Frequenzen drin?

00:40:36: Warum klingt die nach Silbermann?

00:40:41: Im sächsischen Freiberg gab es fünf Orgeln des berühmten Orgelbauers Gottfried Silbermann.

00:40:47: Vier davon sind noch erhalten.

00:40:48: Das älteste stammt aus dem Jahr 1714 und ist bis heute im Freiberger Dom zu hören.

00:40:54: Die Blaupause für die elektronische Kopie, an der Heinz Finder arbeitet,

00:40:59: 240 Jahre nach dem ersten öffentlich aufgeführten Ton des imposanten Originals.

00:41:08: Die Pfeifenorgel, da kommt ja Luft rein, und bei tieferen Frequenzen dauert das eine Weile, ehe die Luft die Röhre voll hat.

00:41:16: Das Endergebnis ist, dass wir hier diese Einschwingzeiten nachahmen mussten.

00:41:22: Und das haben wir getan.

00:41:24: Und so fahren eine Handvoll Ingenieure im Auftrag der DDR durchs Land und zeichnen Orgelklänge auf.

00:41:31: Aus Sicht der DDR-Führung ein durchaus ambivalentes Vorhaben.

00:41:35: Man wollte sich halt auch ein bisschen unabhängig machen von der Kirche.

00:41:38: Denn, wenn Orgelstücke aufgeführt werden mussten, das ging nur in der Kirche, weil denn dort halt Orgeln waren.

00:41:45: Und, es ist ja kein Geheimnis, dass die SED nicht viel mit der Kirche am Hut hatte.

00:41:50: Zurück in Berlin geht's für Heinz Finder ins Akustiklabor.

00:41:53: Dort analysiert er die Klänge und schmiedet Pläne, wie man sie mit elektronischen Klangerzeugern nachahmen kann.

00:42:01: Jeder Klang und jeder Ton bringt Luft zum Schwingen.

00:42:05: Und diese Schwingung kommt im Ohr an und wird über Nerven ans Gehirn geleitet.

00:42:10: Erst dort entsteht der Höreindruck.

00:42:12: Die Hypothese lautet: Der Klang einer Pfeifenorgel kann auch von Röhren und Spulen erzeugt werden.

00:42:20: Vorausgesetzt, ihr erzeugter Strom lässt die Membran eines Lautsprechers in der richtigen Frequenz schwingen.

00:42:30: Man musste Spulen probeweise abwickeln, aufwickeln, abwickeln, aufwickeln, bis das richtige Verhältnis erreicht war.

00:42:36: Das war ziemlich aufwendig.

00:42:38: In der EKI 1 stecken 250 Röhren.

00:42:42: Jeder einzelne muss abgestimmt werden.

00:42:44: Ist ein Ton zu hoch,

00:42:46: muss die Röhre abgelötet, die Spule abgewickelt, gekürzt, neu aufgewickelt und neu verlötet werden.

00:42:53: Dann wird der neue Ton wieder mit dem Original aus der Kirche am Oszillographen verglichen,

00:42:59: solange bis Original und elektronische Kopie übereinstimmen.

00:43:03: Der Vorteil daran ist, einmal eingerichtet, ist die Orgel stimmungskonstant.

00:43:09: Das heißt, sie spielt immer den richtigen Ton.

00:43:18: 1956 ist die Toccata EKI 1,

00:43:21: die erste und einzige Röhrenorgel der Welt, die den spezifischen Klang einer Pfeifenorgel imitieren kann.

00:43:34: Die DDR ist mit der neuen Elektronenorgel auf einmal an der Weltspitze und träumt schon von ertragreichen Devisengeschäften.

00:43:43: Man hatte auch im Auge, dass man die Orgel dann vielleicht exportieren könnte, nicht.

00:43:48: Dieser Traum platzt jedoch.

00:43:50: Während die DDR auf die teure und aufwendige Entwicklung der Röhrentechnik setzt, ist der Westen auf einen neuen Trend aufgesprungen.

00:43:59: Die Transistortechnik hat in vielen Bereichen Röhren überholt und abgelöst.

00:44:03: Außerdem ist einigen Funktionären der DDR-Führung der Sound der Orgel offenbar zu sehr am kirchlichen Vorbild.

00:44:11: Den Klang der Kirche will man in den landesweiten Kulturhäusern lieber nicht haben.

00:44:20: Die Weiterentwicklung wird eingestellt. Die EKI 1 verschwindet.

00:44:28: Witzig ist doch der Name Toccata-Orgel, weil Toccata ist ja eigentlich eine Anlehnung an Bachs berühmter "Toccata".

00:44:35: Aber es ist eine völlig faszinierende Geschichte. Und ich glaube, du stellst einen Link über den gesamten Bericht in unsere Shownotes.

00:44:41: Ich war völlig verblüfft, dass sowas überhaupt mit Elektronenröhren möglich ist,

00:44:45: solche verrückten und komplexen Klänge.

00:44:47: Ja, auf jeden Fall.

00:44:48: Also, Ziel war es ja, die Klänge einer Pfeifenorgel nachzuahmen.

00:44:52: Obwohl ich dazu sagen muss, dass, was wir jetzt hier gerade gehört haben in dem Ausschnitt des Features, sind nicht die Originalklänge der EKI 1 gewesen.

00:45:01: Denn zu dem Zeitpunkt, als ich das Feature produziert habe, war die Orgel ja gar nicht mehr wirklich im Einsatz.

00:45:08: Also es gab nur noch Archivaufnahmen, da die Orgel halt leider defekt ist.

00:45:12: Ja, und ich weiß auch nicht, wie es dir geht, Peter, aber diese Art der Klangsynthese, die ist mir irgendwie dann doch näher als so rein digitaler Synthesizer und Software auf dem Computer.

00:45:24: Die sind irgendwie ja doch noch viel mehr an eine Blackbox.

00:45:27: Also, ich meine, diese Synthesizer, die kann man immerhin aufmachen und sieht da irgendwas Physisches.

00:45:34: Und das geht mir noch mehr so, wenn ich an KI denke.

00:45:38: In KI geht die Klangsynthese ja weit über das Nachahmen von Instrumenten hinaus und es werden synthetische Stimmen, komplette generierte Musikstücke und künstlich erzeugte Naturgeräusche erzeugt,

00:45:49: indem man einfach nur ein paar Textzeilen in einem Browser schreibt.

00:45:52: Ja, das stimmt.

00:45:53: Und in den vergangenen Monaten sind Anwendungen und Dienste, die genau das anbieten, auch, muss man eigentlich sagen, richtig, richtig gut geworden.

00:46:03: Und ich habe uns mal ein paar Beispiele mitgebracht.

00:46:06: Hallo, ich bin eine künstlich erzeugte Stimme.

00:46:09: Die KI-Technologie, die mich sprechen lässt,

00:46:12: kann aber noch viel mehr, zum Beispiel Musikstücke generieren.

00:46:43: Auch Geräusche und Soundeffekte können mit KI ganz einfach erzeugt werden.

00:46:55: Das klingt wirklich beeindruckend.

00:46:56: Es drängt sich aber die Frage auf, wenn das Generieren von Musik, Stimmen und Geräuschen so gut ist und immer besser wird,

00:47:03: welche Rolle spielen dann überhaupt noch Musiker, Sounddesigner oder auch Podcast-Produzenten?

00:47:08: Ja, und mit dieser und vielen anderen wichtigen Fragen rund um künstliche Klänge im Kontext von KI

00:47:15: beschäftigen wir uns in der nächsten Folge "Der Welt der Klänge".

00:47:18: Also Podcast abonnieren lohnt sich.

00:47:20: Und damit sagen wir vielen Dank fürs Zuhören.

00:47:22: Tschüss und bis zum nächsten Mal.

00:47:24: Tschüss.

00:47:26: Die Welt der Klänge.

00:47:39: Dies ist ein Podcast von ARS, Art Research Sound, einem künstlerisch-wissenschaftlichen Forschungsprojekt der Hochschule für Musik Mainz an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz,

00:47:50: in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz.

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