5000 Jahre Klang - Die faszinierende Geschichte der Glocke
Shownotes
Mehr als nur Geläut: Glocken und ihre faszinierende Geschichte, Funktion und tief verwurzelte Bedeutung in unserer Kultur! In dieser Folge der Welt der Klänge tauchen wir ein in die über 5000 Jahre alte Geschichte der ältesten Instrumente der Menschheit und zeigen euch, wie viel mehr als nur Zeitansage in einem Glockenschlag steckt.
Wir sprechen mit „Glockenpapst“ Kurt Kramer, einem der weltweit führenden Glockenexperten und erforschen den gigantischen Klang des „Dicken Pitter“ im Kölner Dom und lernen dabei, welche Probleme der Guss der größten freischwingenden Glocke der Welt mit sich brachte.
Wir reisen nach Japan und hören die beeindruckenden Glockenschläge des Neujahrsrituals Joya no Kane im Chion-In-Tempel in Kyoto und lüften das Geheimnis der ältesten datierbaren Glocke Deutschlands, der über 1000 Jahre alten Lullusglocke in Bad Hersfeld.
Außerdem lernt ihr, welche Rolle Glocken in der Wüste oder auf hoher See spielten – und warum sie sogar in YouTube-Benachrichtigungen weiterleben! — Die Welt der Klänge ist ein Podcast von ARS, Art Research Sound, einem künstlerisch-wissenschaftlichen Forschungsprojekt der Hochschule für Musik Mainz an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. In Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz.
Beteiligte: Peter Kiefer, Christian Conradi, Kurt Kramer, Caroline Lauer, Moritz Reinisch
Musik (Intro/Outro): Artist Name: QAWALA Song Name: Puzzles (Instrumental) License #: 0961324136 Project Type: Podcast
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00:00:09: Die Welt der Klänge.
00:00:14: Herzlich willkommen zum Podcast "Die Welt der Klänge". Mein Name ist Christian Conradi. Ich bin Journalist und Podcastproduzent.
00:00:22: Und ich bin Peter Kiefer, Komponist, Klangkünstler und Klangforscher, an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz.
00:00:27: Auch von mir ein herzliches Hallo an alle Hörerinnen und Hörer.
00:00:31: Ja, Peter, wir beschäftigen uns ja in dieser Folge mit Glocken und ja, wer jetzt vielleicht glaubt,
00:00:36: das könnte langweilig werden, denn Glocken kennt man ja schließlich und man hört sie
00:00:40: wahrscheinlich auch mehrmals täglich läuten z.B. in Kirchtürmen, für den haben wir ganz bestimmt die eine oder andere Überraschung parat.
00:00:48: Ja, genau, denn es gibt wirklich wahnsinnig viel über Glocken zu sagen. Schließlich gehören sie zu den ältesten Instrumenten und Klanggebern der Menschheit.
00:00:56: Und Glocken können ganz unterschiedliche Bedeutung haben, hier im Westen oder in anderen Kulturen wie z.B. in Asien.
00:01:03: Aber Christian, was findest du denn eigentlich besonders spannend an den Metallklingern?
00:01:07: Also, ich muss sagen, so in erster Linie interessiert mich, wie tief das Läuten und Klingen einer Glocke in unserer Kultur verankert ist.
00:01:16: Also jeder und jede spürt ja letztendlich auch ja irgendeine Art von Verbindung beim Läuten einer Glocke.
00:01:22: Und genau darum soll es auch in dieser Podcast Folge gehen. Und ich kann schon mal so viel verraten,
00:01:27: also für mich hat ja so das ganze Beschäftigen mit dem Thema zur Vorbereitung für den Podcast,
00:01:33: es hat mir wirklich so ein neuen Blick eröffnet und irgendwie auch einen neuen Blick auf die Welt mir verschafft.
00:01:38: Na ja und hoffentlich geht's euch nach dieser Folge auch so, denn wir zeigen euch z.B. gigantisch große Glocken
00:01:45: wie den dicken Pitter im Kölner Dom, aber auch winzig kleine Glöckchen.
00:01:51: Sie klingt fast so klein, wie sie auch aussieht.
00:01:55: Also hier geht's aber nicht nur um Größe, sondern wir wollen euch vor allem auch
00:01:59: spannende Glockengeschichten erzählen und die reichen unglaubliche 5000 Jahre zurück.
00:02:05: Na, wir schauen aber auch ins heute und zeigen euch, welche Funktion Glocken
00:02:08: in unserer modernen Welt haben. Und wir haben natürlich auch andere Glocken im Studio.
00:02:18: So, bevor wir noch mehr Glocken hören und vor allen Dingen auch noch mehr über Glocken sprechen,
00:02:22: sollten wir erstmal klären, was Glocken überhaupt sind. Und dabei hilft uns Kurt Kramer,
00:02:27: den werden wir heute noch öfter hören. Er ist seit den 70er Jahren Glocken Sachverständiger
00:02:32: und tatsächlich einer der weltweit führenden Experten auf diesem Gebiet.
00:02:36: In der Presse wird er auch gerne mal als Glockenpapst bezeichnet. Ich habe ihn in seiner Heimatstadt Karlsruhe besucht
00:02:42: und wollte ganz am Anfang unseres Gespräches erstmal wissen, was eine Glocke eigentlich ist.
00:02:47: Ein Musikinstrument wie viele andere, eines der ältesten und es war von Anfang an,
00:02:53: seit es die Glocke gab, war es die Stimmgabel für alle anderen Musikinstrumente,
00:02:59: weil es das einzige Instrument war, das nicht verstimmt mit der Zeit.
00:03:04: Alle alten Saiteninstrumenten, Flöten, Knochen,
00:03:09: alle diese Dinge haben sich verstimmt, weil sie entweder getrocknet sind oder Kälte, Wärme ausgleichen mussten.
00:03:16: Die Glocke nicht.
00:03:18: Also, die Glocke, so die eigentliche Stimmgabel sozusagen, die ursprüngliche.
00:03:21: Wenn man jetzt alle Glocken der Welt hintereinander legen würde,
00:03:25: was ist da sozusagen die Spannbreite, um das zu beschreiben, was Glocken sind?
00:03:29: Da muss man zwei Aspekte berücksichtigen. Die Technik, die Größe der Glocken, die Bedeutung der Glocke historisch oder für die Menschen.
00:03:38: Und da ist ein riesenweiter Unterschied. Größe allein ist kalt,
00:03:44: hat keine Bedeutung eigentlich, wenn sie nicht auf den Menschen wieder zurückwirkt.
00:03:50: Das finde ich tatsächlich ganz interessant, was Kurt Kramer da sagt,
00:03:54: denn ich ging eigentlich immer davon aus, dass so eine große aus Bronze gegossene Glocke auch immer eindrucksvoller klingt als ja eher so eine kleine Glocke.
00:04:04: Aber das muss gar nicht der Fall sein, sagt Kurt Kramer. Ja, und vor allen Dingen sagt er auch,
00:04:08: die Schönheit einer Glocke, die wird von ihrem Klang bestimmt
00:04:12: und die schönsten Glocken seien die ungestimmten, bei denen inharmonisch fast gar nichts stimmt, sagt er.
00:04:19: Dass die Schönheit einer Glocke durch ihren Klang bestimmt wird, da kannst du doch bestimmt mitgehen, oder Peter?
00:04:25: Ja, aber natürlich. Es gibt kleine Glocken, die sind aus reinem Silber
00:04:29: oder es werden sieben Metalle gemischt, unter anderem mit Gold versehen. Alles für den guten Klang.
00:04:35: Hört man den tatsächlich auch? Also je wertvoller die Mischung ist, dass es besser klingt, kann man das sagen?
00:04:40: Wahrscheinlich eher nicht, oder?
00:04:42: Doch, man hört schon, dass es doch noch präsenter klingt und noch also irgendwie brillanter. Absolut.
00:04:48: Hast du eigentlich sowas wie einen Lieblings-Glockenklang oder anders auch gefragt, was ist vielleicht deine erste Glockenerfahrung, -erinnerung?
00:04:57: Ja, eine tolle Erinnerung ist eben Weihnachten. Wir Kinder warteten in gespannter Erwartung eben vor dem Raum,
00:05:03: in dem die weihnachtlichen Vorbereitungen getroffen wurden.
00:05:07: Wenn das Christkind dann seine Geschenke gebracht hatte, ertönte aus dem Raum ein kleines Glöckchen
00:05:12: und wir wussten, dass wir nun den Weihnachtsbaum sehen durften und natürlich auch Geschenke auspacken.
00:05:17: Aber vorher musste natürlich noch gesungen werden. Witzigerweise dann süßer die Glocken, die klingen oder Jingle Bells,
00:05:23: was wir sicher alle schon mal vor dem Weihnachtsbaum und im Familienkreis gesungen haben.
00:05:28: Ich nehme an, singen möchtest du jetzt nicht, aber vielleicht hast du eine Glocke dabei, die so dich erinnert an den Klang damals.
00:05:33: Ja, ganz genau, natürlich.
00:05:36: Das kleine Glöckchen damals hatte also schon zwei Bedeutungen.
00:05:39: Einmal war es ein Signal aus einem anderen Raum, das eine Aktion auslöste.
00:05:43: Zum anderen war aber auch ein fröhliches und etwas mystisches Gefühl damit verbunden, weil der Klang ja auch vom Geheimnis der Weihnacht kündigte.
00:05:51: Also, ich muss aber sagen, Weihnachten verbinde ich eher mit dem Läuten von so wirklich großen,
00:05:57: also ja ganz klassisch fast Kirchenglocken und nicht unbedingt mit dem Läuten von so kleinen Glöckchen.
00:06:02: Aber damit sind wir jetzt auch irgendwie schon mittendrin,
00:06:05: was die Funktion auch von Glocken angeht, das Läuten als Signal, dass etwas passiert,
00:06:09: hast du ja eben schon beschrieben, das trifft besonders auf kleine Glocken zu, nehme ich an.
00:06:15: Na ja, eine kleine Glocke hat eben die Funktion, auf sich aufmerksam zu machen.
00:06:19: Hier bin ich, ich möchte was.
00:06:21: Eine Türglocke, die man läutet, um Einlass zu bekommen, z.B. die ist schon etwas größer.
00:06:27: Man kann das heute noch sehen, z.B. in den Beginenhöfen in Brügge.
00:06:31: Da laufen an den Außenmauern Glockenzüge entlang, die dann über einen Hof ins Innere des Hauses gehen.
00:06:37: Also, für alle, die es jetzt hören, sehen ja nicht, wie es hier im Studio aussieht.
00:06:41: Also hier ist so ein kleiner Tisch mit einer schwarzen Decke drauf und da sind ganz viele Glocken.
00:06:44: Und ist eine dieser Glocken, die du uns mitgebracht hast, so eine klassische Türglocke, die du gerade beschrieben hast?
00:06:50: Ja, sie ist zumindestens ähnlich, also von der Größe. Ich hole die mal.
00:06:53: Oh, die ist jetzt groß. Die wird bestimmt laut. Da musst du ein Stück vom Mikro weg.
00:07:02: Da kann ich mir vorstellen, die läutet durch den Hof. Ja.
00:07:05: Der Zug geht durch den Hof, die hängt dann im Haus selber drin und da sind sehr viele unterschiedliche Häuser
00:07:10: und dann hört man halt eben, dass jemand eingelassen werden will.
00:07:16: Aber das Klingeln von kleinen Handglöckchen kennen wir vielleicht auch aus historischen Filmen,
00:07:20: wo der edle Hausherr den Diener zu Tisch ruft, er möge servieren.
00:07:25: Oft haben auch Kranke eine Glocke neben dem Bett, um auf sich aufmerksam zu machen.
00:07:29: Und auf vielen Porträts von Päbsten, Kaisern und Königen steht immer auch ein Glöckchen auf dem Tisch.
00:07:34: So das berühmte Bild von Papst Leo dem X. mit den Kardinälen Gulio de Medicii und Luigi de Rossi,
00:07:41: welches 1518 von Rafael in Florenz gemalt wurde.
00:07:45: Da steht auf einem Tisch im Vordergrund ein prächtig verziertes Glöckchen vor einer Bibel.
00:07:50: Und die Abbildung, die haben wir übrigens verlinkt in den Shownotes. Da könnt ihr euch das auch mal anschauen.
00:07:55: Ja, diese Funktion der Glocke für Aufmerksamkeit und auch für Mitteilung, die sitzt ja wirklich sehr, sehr tief in uns drin
00:08:02: und zwar so tief, dass sie natürlich auch heute noch existiert.
00:08:05: Und zwar kommt man jetzt vielleicht nicht im ersten Moment drauf und zwar sogar bei Onlinediensten wie YouTube.
00:08:10: Also, da gibt's ja so diese berühmte Glocke, die fürs Abonnieren steht und die dann auch ja darüber benachrichtigt, wenn ein neues Video erscheint.
00:08:17: Und auch die meisten Computer und Smartphones werden mit Glockensymbolen versehen, die dann immer dann erscheinen, wenn Neuigkeiten mitgeteilt werden.
00:08:28: Aber lass uns mal gerne noch bei den handfesten Glocken bleiben. Du hast uns ja einige mitgebracht.
00:08:33: Ja, hier noch ein paar Beispiele. Das ist eine ganz kleine Weihnachtsbaumglocke.
00:08:37: Baumglocke?
00:08:39: Ja, die ist so schön Schmuck - die am Weihnachtsbaum hängt. Die klingt eigentlich nicht so richtig.
00:08:43: Ja, viel schöner ist jetzt so ein kleines Messinglöckchen.
00:08:49: Und dann habe ich tatsächlich auch noch zwei kostbare alte Tischglocken aus reinem Silber. Die ist von 1858 aus Wien.
00:08:57: Es gab eigentlich noch eine schöne, aber die war so teuer, die konnte ich mir selbst nicht leisten.
00:09:01: Vielleicht noch die Biedermeier-Tischglocke aus Silber und Berlin 1870.
00:09:10: Also, die tollen aus Silber war natürlich auch irgendwie ein Statussymbol, ist ja klar.
00:09:13: Aber vielleicht noch etwas Skuriles zur "Ich bin hier"-Funktion der Glocken.
00:09:18: Bis ins 19. Jahrhundert gab es eine Angst lebendig begraben zu werden. Es gab natürlich auch Gruselgeschichten z.B. von Edgar Allan Poe, die das befördert haben.
00:09:27: Deshalb hat man auf dem Friedhof neben dem Grab eine Glocke aufgehängt
00:09:31: und die Schnur ging tatsächlich bis in den Sag hinein.
00:09:34: Falls der Scheintote nun also unter der Erde nochmals wach werden würde, konnte er so um Hilfe rufen.
00:09:40: Ich weiß allerdings nicht, ob das tatsächlich mal passiert ist.
00:09:43: Also, ich glaube, wenn es mal passiert wäre, dann hätten wir davon erfahren. Auf jeden Fall wollte man offenbar darauf vorbereitet sein,
00:09:50: falls dort jemand noch läuten kann. Das klingt natürlich ganz schön gruselig alles, aber das war auch noch im Jahr 1967 Thema.
00:09:57: Du hast da ein ganz tolles Zitat aus dem Spiegel gefunden.
00:10:01: Ja, das lese ich mal kurz vor. Noch vor einem Jahrzehnt, also wir reden hier von 1950,
00:10:06: gab es in manchen deutschen Leichenhäusern sogenannte Scheintotklingeln.
00:10:10: Den Toten wurde ein Klingelzug um die Hand gebunden und bei der leisesten Bewegung des Leichnamens ertönte ein Glöckchen.
00:10:17: Ja, wirklich gruselig. Aber wir machen ja hier kein True-Crime-Grusel-Podcast.
00:10:22: Was all diese Beispiele zeigen, ist ja dann letztendlich auch, dass Glocken nicht nur unterschiedliche Funktionen haben können.
00:10:28: Diese ganzen Beispiele zeigen natürlich auch, wie weit sie verbreitet sind.
00:10:32: All das ist ja auch nur möglich, weil es sie auch schon seit vielen, vielen Generationen gibt.
00:10:38: Sie haben sich seit Jahrtausenden immer tiefer in die Kultur verankert, könnte man sagen.
00:10:42: Und genau deshalb habe ich mich gefragt, wie weit reicht ihr Ursprung eigentlich zurück?
00:10:48: Also seit wann läuten Menschen Glocken? Und dazu hören wir noch mal unseren Glockenexperten Kurt Kramer.
00:10:54: Die Geschichte der Glocke kann man etwa 5000 Jahre zurückverfolgen, stand heute.
00:11:00: Da ist eindeutig China eines der Ursprungsländer der Glocke.
00:11:04: Die hatten schon in sehr früher Zeit eine Form entwickelt, die es heute gar nicht mal gibt. Eine rautenförmiger Grundriss der Glocke.
00:11:13: Aber diese Glocken haben fast präzise gestimmt und wir wundern uns heute immer noch, wie das sein konnte.
00:11:21: Und es gibt auch wunderschöne Aufnahmen von diesen Glocken etwa aus dem fünften vorchristlichen Jahrhundert.
00:11:30: Und das ist ein Glockenspiel, das könnte heute ein Giesser gegossen haben, wenn Sie das hören.
00:11:37: Also, unsere Glockenspiele auf unseren Türmen, die klingen nicht schöner wie die damals.
00:11:45: Was hören wir da gerade?
00:11:46: Wir hören jetzt ein Teil dieses Glockenspiels. Es sind vor allem die großen Glocken.
00:11:50: Zwischendurch ein paar kleine Glocken, die dann oben herumklingeln für sich alleine.
00:11:56: Also, es sind zwei komplett verschiedene Ebenen, die da erklingen, aber das sind jetzt nur Glocken.
00:12:02: Es gibt diese Musik vor allem mit Panflöte noch und vielen anderen Musikinstrumenten in dieser Zeit.
00:12:12: In welcher Zeit kann man das ungefähr verorten?
00:12:15: Die sind alle etwa im fünften vorchristlichen Jahrhundert.
00:12:19: Da gab's auch genau diese Instrumente, die Sie hier auf der Aufnahme hören, die gab's in dieser Zeit schon.
00:12:25: Und diese Klänge wurden dort in China, in Hubei, sehr sorgfältig rekonstruiert.
00:12:33: Und diese Aufnahmen, die kommen sicher dem damaligen Original sehr, sehr nahe.
00:12:40: Auf jeden Fall die Glocken sind die Originale noch.
00:12:44: Und die wurden ausgegraben.
00:12:45: Die wurden ausgegraben. Die war in einem Grab eines Kaisers.
00:12:49: Die Kaiser wurden damals mit ihren Glocken begraben, dass der Kaiser auf dem Weg ins Jenseits mit Musik begleitet wird, aber auch beschützt wird.
00:13:02: Und zu Lebzeiten, die Aufführung dieser Musik dann letztendlich hatte das einen unterhaltenden Faktor auch oder wie kann ich mir das vorstellen?
00:13:10: Hatte beides, es gibt Stellen, Originalstellen aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus, wo der Kaiser mit diesen Glocken geweckt wird.
00:13:21: Die Glocken haben gespielt und schreibt der Geschichtsschreiber dort,
00:13:27: dass die Glocken erklangen haben und der Kaiser erhebt sich aus seinem Gemach.
00:13:33: Okay, das war jetzt aber dann nicht in so einer Lautstärke, wie wir es heute kennen vom Kirchturm, dass es die ganze Stadt hört.
00:13:40: So war das nicht gedacht, sondern es war schon eher privat, oder?
00:13:43: Nein, nein, wir täuschen uns da heute. Wir haben Umweltgeräusche ohne Ende.
00:13:49: Vor kurzem hat mir mal ein Akustiker erklärt, dass eine recht kleine Glocke, die heute vielleicht 50, 100 Meter zu hören ist,
00:13:59: dass die in der Zeit, wo sie entstanden ist, fast ein Kilometer zu hören war.
00:14:05: Soweit haben sich unsere Umweltäusche heute erhöht.
00:14:09: Also, die Glocken waren draußen wohl zu hören und zwar sehr deutlich.
00:14:14: Insofern waren das hochentwickelte Kulturen in China und von dort aus ging es dann,
00:14:21: ich nenne sie immer die Glockenstraße, über Indien war eine wichtige Zwischenstation;
00:14:27: allerdings findet man dort in aus der Zeit fast nichts.
00:14:30: Man weiß nicht warum, aber Indien muss eine wichtige Rolle gespielt haben. Und dann natürlich über Eufrat, Tigris,
00:14:38: über Mesopotamien, über's Hochland von Armenien kam sie dann eben vor bis ins Land der Bibel, also Israel.
00:14:46: Dort hat sie auch in vorchristlicher Zeit dann wieder die nächste bedeutende Rolle gespielt.
00:14:51: Allerdings auch in Mesopotamien vorher schon in diesen Weiten der Wüsten, in diesen Regionen
00:14:58: war die Glocke zwar kein Klanginstrument, aber es war ein wichtiges Kommunikationsinstrument.
00:15:04: Die Leitpferde oder die Kamele, Elefanten hatten eine große Glocke um den Hals.
00:15:11: Die hörte man in diesen Weiten Kilometer weit und es war wichtig, wenn man sich verloren hatte,
00:15:18: die einzelnen Karawanen oder miteinander kommunizieren wollten, hatten die eine große Glocke bei sich.
00:15:25: Also hat sie eigentlich fast die Bedeutung gehabt, wie später im Christentum des Zusammenrufens,
00:15:30: des Zusammenhaltens dieser Gemeinde, die dann in diese Kirche kam.
00:15:35: Ja, wir haben ja eben erfahren, der Ursprung der Glocken, wie wir sie heute kennen, lässt sich bis in die Bronzezeit Chinas zurückverfolgen.
00:15:43: In Asien sind Glocken also natürlich auch weit verbreitet.
00:15:46: Deshalb, lass uns doch gerne mal nach Japan reisen.
00:15:49: Ja, und dort gibt's wirklich viele Glocken.
00:15:51: Ein ehemaliger Mitarbeiter, der Joshua Weizel, der Familie in Japan hat und dort länger gelebt hat,
00:15:56: hat mir berichtet, dass man an Neujahr in vielen Städten und Dörfern zu den Tempeln geht,
00:16:02: sich dort in eine lange Schlange einreit, die Leute stehen dort also quasi in der Schlange, um eine dort aufgehängte Glocke zu läuten.
00:16:10: So soll man eben Glück für das kommende Jahr erlangen.
00:16:13: Man trinkt dann auch immer einen Sake und geht zum nächsten Tempel.
00:16:17: Und es hängt wohl ein bisschen von der guten Konstitution ab, wie viele Tempel man besuchen und wie viel Glocken man läuten kann,
00:16:24: ja, eh man dann nach Hause gehen oder wanken muss.
00:16:27: Das nennt man halt zu Mode und es ist eigentlich ein wunderschöner Brauch, der eben mit guten Wünschen für das neue Jahr verbunden ist.
00:16:33: Dieser wird allerdings ausgesetzt, zwar für ein Jahr, wenn in der Familie jemand verstorben ist.
00:16:38: Besonders wichtig sind Glocken übrigens in der japanischen Stadt Kyoto. Die kann man durchaus als spirituelle Hauptstadt des Landes bezeichnen.
00:16:46: Kyoto ist auch historisch natürlich eine der bedeutendsten Städte Japans.
00:16:50: Immerhin war siei über 1000 Jahre lang Sitz der Kaiser.
00:16:52: Mit 1,5 Millionen Einwohnern ist sie für Japan relativ klein, aber sie hat dafür 2000 Schreine und Tempel.
00:17:00: Und deshalb schauen wir uns jetzt einen Kyotoer Tempel mal genauer an und zwar den Chion-in-Tempel.
00:17:07: Ja, dort in diesem Tempel hat das Neujahrsläuten der Glocke eine ganz besondere Bedeutung.
00:17:12: Die ist ebenerdig in einer Art Hütte oberhalb des Tempels aufgestellt und einer der größten Glocken in Japan.
00:17:18: Sie ist 80 Tonnen schwer, 3,30 Meter hoch und 2,80 Meter breit und ziemlich alt.
00:17:24: Sie stammt aus der frühen Edo-Periode, also dem 17. Jahrhundert.
00:17:28: Sie schwingt allerdings nicht frei wie unsere Kirchenglocken, sondern hat eher die Form eines Bienenkorbs.
00:17:33: Das versuche ich mir gerade mal vorzustellen. Also ebenerdig, 80 Tonnen schwer. Da frage ich mich, wie läutet man diese Glocke?
00:17:41: Ja, an Silvester gibt's eine spezielle heilige Läutezeremonie. Sie heißt Joya no Kane. In der Neujahrsnacht wird die Glocke im Chion-in-Tempel 108 mal geläutet.
00:17:51: Die Zeremonie beginnt so gegen halb elf in der Nacht und dauert 2 Stunden, also ins neue Jahr hinein.
00:17:58: Neben der Glocke ist ein großer Holzstamm aufgehängt, bestimmt 4,50 Meter lang und ziemlich dick und schwer.
00:18:05: Also horinzontal aufgehängt.
00:18:07: Und mit dem Riesenklöppel schlägt man die Glocke von der Seite her an.
00:18:11: Wir haben da natürlich auch eine Aufnahme von vorbereitet, dass man sich das, glaube ich, auch mal besser vorstellen kann.
00:18:20: Also, damit die Glocke erklingt, muss dieser schwere Klöppel erstmal in Schwingung versetzt werden.
00:18:24: Und hierzu sind 16 Mönche notwendig, die mit ihrem ganzen Gewicht Seile ziehen,
00:18:29: um diesen stammartigen Klöppel von der Glocke wegzuziehen,
00:18:33: so dass er beim Rückschwingen sich der Glocke immer mehr nähert wie eine Schaukel.
00:18:38: Das hört man auch gerade, wie die Mönche...
00:18:40: ... ganz genau die ziehen an den Seilen und der Hauptmönch,
00:18:44: der sagt dann jetzt wird geschlagen. Also die Mönche rezitieren dabei und ein 17. Mönch zieht an einem ganz dicken Seil
00:18:51: mit vollem Körpereinsatz den Holzkloppel zum Schlag an die Glocke.
00:19:07: Ja. Und wenn man da vorsteht, ist das sicherlich noch eine ganz andere körperliche Erfahrung.
00:19:11: Der Klang geht in den Körper rein und man vibriert quasi mit.
00:19:14: Und das vermittelt sich natürlich jetzt nicht durch den Kopfhörer oder durch Lautsprecher.
00:19:18: Dieses Ritual wird eben 108 mal wiederholt, denn nach der Jōdo-Schule des japanischen Buddhismus symbolisiert die Zahl 108 die menschlichen Begierden, die Ursachen von Schmerz und Leid.
00:19:30: Jeder Glockenschlag vertreibt eine dieser Begierden und wenn man alle 108 Klänge eben gehört hat, kann man sicher sein,
00:19:36: dass das neue Jahr unbelastet startet und ein glückliches wird.
00:19:47: Das finde ich ja wirklich total faszinierend, muss ich sagen. Also natürlich was dahinter steckt, aber auch das mit den Zahlen,
00:19:52: weil das in gewisser Weise ja mir bekannt vorkommt, muss ich sagen.
00:19:57: Also, einerseits natürlich so, man könnte sagen, es hat so eine Schutzfunktion auch.
00:20:02: Das haben wir ja bei Herrn Kramer auch schon gehört im Interview.
00:20:06: Und diese 108 finde ich auch deshalb spannend, denn Glocken und Zahlen spielen auch in der europäischen und christlichen Glockengeschichte eine wirklich zentrale Rolle.
00:20:15: Das hat mir Kurt Krammer erzählt.
00:20:17: Also, unsere europäische Glocke kommt aus dem Judentum eindeutig.
00:20:21: Die Hohenpriester hatten am Rocksaum zwölf Glöckchen und die Zwölf war im Judentum die Zahl der Verbindung zwischen Himmel und Erde.
00:20:30: Die Vier, die Zahl der Welt, die vier Himmelsrichtungen, vervielfacht mit der Drei, der Zahl des Göttlichen, war zwölf.
00:20:39: Und die Zwölf war das, was wir uns nicht an den zehn Fingern unserer Hände abzählen können.
00:20:45: Das im wahrsten Sinne des Wortes Unbegreifliche. Und es hat das Christentum übersetzt,
00:20:50: das Unbegreifliche sollen sie verkünden, das Leben, Sterbenden und Auferstehung Jesu.
00:20:56: Und so kam die Glocke ins frühe Christentum vom Judentum direkt übernommen.
00:21:01: Und die ersten christlichen Schriftsteller schon um 100 Justinus, Origines, etwas später, die haben genau die Glocke so gedeutet.
00:21:11: Und interessanterweise in einer Zeit, wo wir im Christentum noch keine Glocken hatten, hat man schon ihre Bedeutung in der Literatur beschrieben.
00:21:21: Also, man wusste eigentlich noch gar nicht, ob sie überhaupt Karriere machen würde im Christentum, hat man schon ihre Bedeutung vorbestimmt.
00:21:31: Das ist ja interessant. Ich frage mich gerade, ob es irgendwas vergleichbares in der Geschichte überhaupt gibt.
00:21:36: Also, mir ist nichts bekannt. Ich kenne die Kulturgeschichte sehr gut, weil ich die Glocke nie ohne Geschichte stehen lassen wollte.
00:21:45: Mich hat zwar der Klang interessiert, aber viel mehr noch, warum die klingt und wofür sie geklungen hat und für was sie steht in der jeweiligen Kultur.
00:21:55: Aber ich wüsste nichts vergleichbares.
00:21:59: Aber dann ist die Glocke schon früh aufgenommen worden. Man kann vermuten, dass man um 400, spätestens um 550 die Glocke tatsächlich als Glocke bereits geläutet hat,
00:22:13: weil es in der Zeit auch schon kleine Glocken gab, die in den Türmen hingen.
00:22:19: Und der endgültige Durchbruch der Glocke kommt von Papst Sabinian 604.
00:22:25: Und er hat dann festgelegt, dass die Glocken in den Klöstern, aber zunächst in sieben Tageszeiten,
00:22:32: aber Tageszeiten waren natürlich auch die Nacht mit einbegriffen. Die Mönche mussten auch bei Nacht aufstehen zum Beten,
00:22:38: denn die sieben Gebetszeiten haben sich über Tag und teilweise auch über die Nacht verteilt.
00:22:45: Und so hat sich das Gebetsläuten eben im Christentum schon etwa seit 600 langsam aufgebaut.
00:22:53: Und vielleicht sollte man Karl den Großen nennen und sein Nachfolger,
00:22:59: die haben dann die Gebetszeiten endgültig festgelegt und haben sie die sogar als Vorschrift eingebracht.
00:23:07: Das war dann der absolute Durchbruch für die Glocke und seitdem hängen sie in jeder kleinen Kirche in Kleinstform bis zu den riesengroßen Glocken.
00:23:19: Die Lullusglocke in Bad Herzfeld 1038, die natürlich schon ein Volumen hat, das auch für diese Zeit ganz außergewöhnlich ist.
00:23:29: Eine sehr, sehr übrig große Glocke von über 1 Meter Durchmesser. Das war damals ein Phänomen.
00:23:44: Fast 1000 Jahre alt ist dieser Klang und so klingt sie auch heute noch, die Lollusglocke in Bad Hersfeld, die älteste, datierbare, gegossene Glocke Deutschlands.
00:23:54: Und ja, über die Jahrhunderte hinweg sind Glocken natürlich auch immer imposanter geworden.
00:24:00: Ja klar, und ein gutes Beispiel dafür ist die Petersglocke im Kölner Dom. Die wird ja auch "Dicker Pitter" genannt.
00:24:06: Das ist die größte, tontiefste, freischwingende Glocke der Welt und die feierte eben am 5. Mai 2023 ihren 100. Geburtstag.
00:24:15: Und aus dem Anlass gab es auch ein internationales Symposium und ein Glockenkonzert, die Synphonie des Kölner Domgeläutes.
00:24:23: Und Peter, du warst ja vor Ort und hast auch das Konzert aufgenommen.
00:24:26: Nimm uns doch mal mit nach Köln zum Dom und zur Petersglocke. Wie war es dort zu sein?
00:24:32: Ja, das Konzert hat tatsächlich viele tausend Menschen angelockt, denn so ein Event gibt es wirklich selten
00:24:37: und neben mir auf der Domplatte standen auch japanische Touristen und viele Leute, aber leider hat's im ersten Teil des Konzerts in Strömen geregnet.
00:24:51: Aber vielleicht erstmal zu den Daten.
00:24:53: Die Petersglocke, wie sie offiziell heißt, wiegt 24.000 Kilo, ist 3,20 Meter hoch und hat als größten Durchmesser eben unten 3,22 Meter.
00:25:03: Die Glocke sollte die Kaiserglocke des Doms von 1875 ersetzen, die noch schwerer war. Aber die dann 1918 als Metallspende für den Ersten Weltkrieg eingeschmolzen wurde.
00:25:15: Nach dem Krieg sollte also eine neue Glocke her. Und das wurde vom Kölner Oberbürgermeister, das war damals Konrad Adenauer, und dem Kölner Erzbischof gefördert.
00:25:24: Also, wenn du das so erzählst, das sind ja wirklich riesige Ausmaße der Glocke. Wie ist man denn damals vorgegangen, die überhaupt herzustellen?
00:25:32: Na, also da gab's erstmal ein Problem, denn keiner in Europa wollte tatsächlich eine solche schwere Glocke gießen.
00:25:37: Die trauten sich einfach nicht.
00:25:38: Große Verantwortung.
00:25:39: Ja, Wahnsinn. Und auch weil gefordert worden ist, dass zum Grundton, dem tiefen C, noch eine große Terz als erster Oberton erklingen sollte und das geht eigentlich gar nicht.
00:25:50: Die große Terz ist dur und somit sollte die Glocke sehr strahlend klingen.
00:25:54: Nur der Glockengießermeister Heinrich Ulrich aus Apollda in Thüringen war bereit, den Auftrag zu übernehmen.
00:26:00: Und der erste Guss gelang dann auch direkt, das war eben 1923. Interessant ist auch, das fand ich so spannend,
00:26:08: dass quasi über dem heißen Metall, bevor es noch in die Form ging, ein Priester einen Segen gesprochen hat.
00:26:13: Vielleicht hat's deshalb beim ersten Mal geklappt.
00:26:15: Vielleicht ... ungefähr 12 Minuten ist die heiße Bronze in die Form geflossen. Und natürlich gibt's bei einem solch ungewöhnlichen Projekt noch andere Anekdoten.
00:26:24: Man muss sich vergegenwärtigen, dass 1923 die Inflation in Deutschland grassierte und ein Laibbrot dann irgendwann mal mehrere Milliarden Mark kostete.
00:26:34: Die vereinbarte Bezahlung hätte dann noch nicht mal für das Brennholz gereicht.
00:26:38: Deshalb wurde der Giesserei noch 5000 Dollar als krisensichere Bezahlung zugestanden.
00:26:44: Und weil Köln damals auch von den Alliierten noch besetzt war, traute man sich gar nicht, die Glocke nach Köln zu bringen,
00:26:50: damit diese nicht als Reparationszahlung konfisziert wurde.
00:26:53: So kam sie tatsächlich erst eineinhalb Jahre nach dem Guss in Köln an.
00:26:57: Das sind natürlich schon große Herausforderungen, aber der Guss und die Kosten waren ja nicht die einzigen Probleme, die diese Glocke hatte.
00:27:04: Ja, nee, also die Glocke war so groß, dass sie gar nicht durch die Turmtüren passte und es musste erstmal der Mittelpfeiler des Hauptportals ausgebaut werden.
00:27:13: Das Hochziehen auf den Turm dauerte dann dann noch mal Wochen und dann konnte die nur dreimal geschlagen werden, weil das Seil der Läutemaschine riss.
00:27:22: Besonders tragisch finde ich, dass der Glockengießer Heinrich Ulrich seine Glocke nie hat läuten hören, weil der vorher verstorben war.
00:27:29: Ja, das ist echt tragisch. Das heißt, also er konnte auch so... ja, seine Arbeit dann nicht mal wirklich ... traurig,
00:27:35: Und der "Dicke Pitter", der klingt schon wirklich sensationell ausgewogen und laut.
00:27:49: Ja, das klingt schon wirklich imposant. Ich habe auch gelesen,
00:27:53: dass die Lautstärke im Glockenturm 117 Dezibel sein soll. Also, man kann das vergleichen mit der Lautstärke
00:27:58: eines Düsenflugzeugs oder auch einer Kettensäge. Lautstärkemäßig kann man das vergleichen,
00:28:03: klanglich nicht, aber laut ist es trotzdem.
00:28:06: Allerdings hört man die Glocke eigentlich recht selten. Der "Dicke Pitter" ertönt nämlich nur zu ganz besonderen Ereignissen,
00:28:12: zu Kirchenfesten, wie natürlich Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Da hört man die Glocke,
00:28:17: also den "Dicken Pitter", 5 Minuten alleine, bevor alle anderen Glocken einsetzen.
00:28:24: Anders ist es beim Tod eines Papstes oder eines Erzbischofes, ' da läutet sie 30 Minuten alleine.
00:28:31: Aber sie läutet auch, um weltliche Ereignisse zu markieren: also das Ende des Zweiten Weltkriegs 1945
00:28:37: oder auch 1990 zur deutschen Wiedervereinigung.
00:28:41: Und wo wir gerade bei historischen und besonderen Ereignissen sind, da sollte eine Glocke nicht fehlen,
00:28:46: finde ich, und zwar die Gloriosa im Erfuter Dom, gegossen 1497, über 11 Tonnen schwer.
00:28:53: Eine der schönsten Glocken der Welt, hat mir Kurt Kramer jedenfalls erzählt.
00:28:58: Aber er ist auch befangen, sagt er, denn die Gloriosa und er, das ist eine ganz besondere Geschichte.
00:29:09: Das auf dem Domplatz in Erfurt zu hören, diese Glocke, das ja körperlich, geistig, seelisch,
00:29:19: das ist einfach ein Klang, dem man sich nicht entziehen kann. Man hat keine Chance, diesem Klang auszuweichen
00:29:26: und, ich glaube, man möchte es auch gar nicht.
00:29:31: Ja, sie gibt dem Tag durch ihr Läuten morgen, mittag, abend nicht nur einen Rhythmus vor,
00:29:38: sondern auch ihr Schwingen hat einen Rhythmus, der bewegt,
00:29:44: mit dem man eigentlich mitgehen kann. Ich kann mir wunderbar vorstellen,
00:29:49: wie Musiker begeistert waren in dieser Zeit, mit dieser Glocke spielen zu können im wahrsten Sinne des Wortes
00:29:56: und ihren Rhythmus aufzunehmen, um auch seine Musik dadurch zu bereichern.
00:30:05: Was natürlich geschichtlich besonders interessant ist, ist, dass sie Martin Luther zur Priesterwahl geläutet hat
00:30:12: und dass sie dort für ihn ein frohes Ereignis war. Und sie hat ihm aber auch geläutet, als er im Arrest war in Erfurt.
00:30:20: Und ob er die dort noch genauso fröhlich gehört hat, wage ich zu bezweifeln.
00:30:25: Daran auch sieht man wieder die weite Fächerung der Glocke.
00:30:30: Das die gleiche Glocke, die einen tief beeindruckt, betrübt einen nachher oder gibt eine abwehrende Haltung dazu.
00:30:37: Ich glaube schon, dass wir selber auch der Glocke ihre Stimmung geben.
00:30:44: Dass sie dann die Gloriosa manche als die schönste Glocke der Welt hören, das verstehe ich, weil ich sie selber so höre,
00:30:52: aber ich bin ja auch emotional gebunden. Ich habe vor der Wende ihre Reparatur geleitet im Turm
00:31:00: und das war eine ganz, ganz schwierige Geschichte im Turm Feuer zu machen.
00:31:05: Und das müssen Sie mal jetzt genau erzählen im Turm das wurde nicht abgenommen, sondern im Turm.
00:31:10: Die konnte man in der Zeit nicht herabnehmen. Dort oben musste aufwendig ein Ofen drumrum gebaut werden,
00:31:18: der so stabil war und so feuerfest, dass er nach außen den Turm nicht erhitzt hat, so dass er in Gefahr gewesen wäre.
00:31:28: Und dass diese Restaurierung geglückt ist, ist tatsächlich ein Glücksfall gewesen und das zu DDR Zeiten,
00:31:36: Ich habe auch, glaube ich, 40 oder 50 Stempel in meinem Pass.
00:31:41: Sind Sie also oft zwischen Karlsruhe damals noch...
00:31:45: von Karlsruhe und Erfurt hin- und hergependelt. Das war 1985.
00:31:53: Ich wurde dann irgendwann vom Bischof von Erfurt angerufen, ob ich bereit wäre,
00:31:58: die Restaurierung der Gloriosa Erfurt zu leiten. Die ist gesprungen. Ich habe spontan zugesagt, nicht wissend, ob ich das kann.
00:32:07: Mit Holzkohle wurde die dann warm gemacht.
00:32:11: Glocke muss, man sagt, warm gemacht werden. Die ist natürlich glühend heiß und deswegen bekommt die eine Hitze,
00:32:18: die unterhalb dieser Stabilitätsgrenze liegt, aber die so heiß ist, trotzdem,
00:32:25: dass sich diese Bronze, die ich da reingieß, nahtlos wieder verschmilzt. Ist tatsächlich was geworden.
00:32:32: Und wie war das, als sie dann das erste Mal wieder läutete für Sie?
00:32:36: Ich glaube, ich war tagelang noch nicht mehr ansprechbar.
00:32:40: Also dann doch tief bewegend offenbar.
00:32:42: Ja, aber für viele tiefbewegend. Ja, hat man gesehen, in der Zeit waren ja in der ehemaligen DDR
00:32:51: nicht so viele christlich engagiert und der Domplatz war gerammelt voll, nicht nur von Christen,
00:32:59: die waren wahrscheinlich in der Minderheit. Ich habe Tränen allenthalben gesehen.
00:33:09: Das ist wirklich ein toller Klang und eine beeindruckende und berührende Geschichte.
00:33:13: Natürlich spielen Glocken nicht nur im Christentum eine Rolle.
00:33:17: Das haben wir auch gerade schon bei Kurt Kramers Geschichte gehört.
00:33:20: Peter, welche Funktionen hatten und haben Glocken außerhalb der Kirche?
00:33:24: Ja, da gibt's so viel, da würden wir ja morgen noch hier sitzen. Aber ich habe mir so eine kleine Systematik überlegt,
00:33:30: also Glocken und Position. Also hier bin ich. Darüber haben wir ja schon bei den Tischglocken gesprochen.
00:33:34: Es gibt aber auch Glocken an Leuchttürmen und Schiffen, die bei Nebel die Position anzeigen
00:33:39: und natürlich die Kuhglocken, bei denen der Hirte seine Tiere wiederfinden kann,
00:33:44: sich aber auch die anderen Tiere der Herde an dem Klang des Leitiers orientieren können.
00:33:48: Ich muss jetzt gerade wieder an die Kamele denken in der Wüste. Ja, aber Glocken zählen natürlich auch.
00:33:55: Ja, das kennen wahrscheinlich die meisten, würde ich sagen. Das geht mir auch so.
00:33:58: Also Glocken als Zeitanzeiger, heute auch noch schlagen ja Glocken natürlich auch die Zeit teilweise im Viertelstundentakt.
00:34:06: Übrigens nicht nur von Kirchtürmen, sondern auch von weltlichen Glockentürmen.
00:34:10: Ja, da fällt mir eigentlich was Interessantes ein. In Venedig - da gibt's ein Uhrenturm auf dem Markusplatz und der wird gekrönt von einer großen Glocke.
00:34:19: Die wird von zwei bronzenen Figuren angeschlagen und das war
00:34:23: um 1499 eigentlich die ersten mechanischen Roboter in Menschenform überhaupt -
00:34:28: heute noch funktionieren und zu sehen.
00:34:34: Roboter im 15. Jahrhundert. Das ist ja wirklich beeindruckend. Und dann auch noch mit Zeit und Glocken. Großartig!
00:34:40: Ja, und noch gar nicht so lange her, dass die Zeit auf Schiffen in sogenannten Glasen auf einer Glocke geschlagen wurde.
00:34:46: Das Wort Glasen kommt übrigens von den Gläsern einer Sanduhr.
00:34:50: Wenn diese nach einer halben Stunde abgelaufen war und umgedreht wurde,
00:34:53: schlug man die Glocke so oft, wie man sie seit Beginn der Wache umgedreht hatte.
00:34:58: Acht Glasen sind also vier Stunden und das Ende einer Wachperiode.
00:35:02: Ja, wir haben ja auch jetzt immer wieder darüber gesprochen, dass neben dieser Signalwirkung, dem Klang der Glocken auch eine ja
00:35:09: wichtige Bedeutung zugewiesen wird und damit beschäftigst du dich ja auch als Klangforscher
00:35:13: an der Uni Mainz im Projekt AS, also Art Research Sound, dafür steht's ja besonders.
00:35:18: Also, was interessiert dich an den Glocken als Klangforscher?
00:35:22: Ja, in der Klangforschung liegt mein Hauptinteresse eben auf den Klängen und ihrer Bedeutung und das ist wieder mal ein unglaublich breites Feld.
00:35:30: Teilweise ist diese Bedeutung ja spirituell oder magisch sogar und wird kulturell den Klangobjekten zugeschrieben.
00:35:38: Ob das dann eben aber tatsächlich so ist, das muss dann jeder für sich selber entscheiden.
00:35:42: Hast du da Beispiele für uns mitgebracht?
00:35:44: Naja, die Glocken im Speziellen sollen böse Geister abwehren oder austreiben können.
00:35:48: Im Alpenland und speziell in der Schweiz gibt es Schellen, Trüscheln und, ich hoffe, ich kann es jetzt aussprechen: Geissleschlepfle.
00:35:56: Das geht auf alte Fastnachts- und Silvesterbräuche zurück.
00:36:00: Zu Neujahr oder zum Winterende wollte man die bösen Geister der dunklen Jahreszeit mit Lärm vertreiben.
00:36:07: Das klingt so, als wäre das schon sehr lange her. Gibt's das heute tatsächlich auch noch?
00:36:11: Ja, ja, die Bräuche, die sind immer noch lebendig und teilweise starten die Umzüge im Morgengrauen oben auf einer Alm
00:36:16: und die Männer kommen, mit schweren Glocken und Schellen umgehängt, ins Dorf, was man auch von der Ferne hören kann.
00:36:23: Es gibt auch noch ein Beispiel aus einer sehr dunklen Zeit der europäischen Geschichte,
00:36:27: nämlich der Hexenverfolgung. Das war so 15. bis 16. Jahrhundert und es wurde da gesagt,
00:36:33: dass Hexen sich nur dort treffen können, wo man eben keine Kirchenglocken hören konnte.
00:36:38: Man hat also teilweise zwischen den Dörfern nach Plätzen gesucht oder nach einem Platz gesucht,
00:36:43: wo keine der Kirchenglocken der umliegenden Dörfer zu hören waren.
00:36:47: Dass sich doch dann tatsächlich Hexentanzplätze fanden, das war wohl so eine "self-fulfilling prophecy".
00:36:53: Mit Bedeutung von Glocken beschäftigst du dich ja auch jenseits Europas. Du warst ja kürzlich erst für eine Klangforschungsreise in Indien.
00:37:01: Sind dir da auch Glocken begegnet? Ich nehme an: "Ja".
00:37:04: Ja, natürlich auch wieder ganz unterschiedliche Funktionen, unterschiedliche Orte,
00:37:09: aber z.B. im Kloster, bei Ritualen im tibetischen Buddhismus halten die Mönche in der rechten Hand ein kleines bronzenes Zepter,
00:37:16: den Dorje, und in der linken Hand eben eine Glocke, die an bestimmten Stellen der Zeremonie geschwungen wird.
00:37:21: Und zufälligerweise hast du genau diese Dinge auch hier.
00:37:24: Also dieses kleine Zepter habe ich gerade schon gesehen. Das ist ja wirklich nur so 10 Zentimeter maximal vielleicht, ganz klein.
00:37:29: Und die Glocke passt in eine Hand.
00:37:32: Die haben auch spezielle Etuis dafür und so. Das ist alles ganz, ganz edel und wenn ich sie jetzt schwinge, hört sie mal eben alleine.
00:37:46: Naja, und bei hunderten Mönchen ist das eben ein ganz besonderes Klangerlebnis.
00:37:58: Ja, und die Glocke hat natürlich hier auch eine ganz bestimmte Bedeutung. Mit ihr werden nämlich Weisheit und Mitgefühl verbunden.
00:38:03: Das sind essentielle Werte des Buddhismus.
00:38:06: Der hohle Klangkörper der Glocke selber symbolisiert die sogenannte Leerheit.
00:38:11: Das ist ein philosophisches Konzept und man sagt, dass eben der natürliche Ton diese Lehrheit wiederhallen lässt.
00:38:18: Der Dorje und die Glocke sind so eben gemeinsam Symbole für die Aspekte von Methode und Weisheit.
00:38:25: Das ist ganz wichtig in der Philosophie der buddhistischen Lehre.
00:38:29: Also, ich muss sagen, das ist wirklich ja sehr, sehr vielfältig, also was die Funktionen und Bedeutungen angeht,
00:38:35: die mit Glocken verbunden werden können. Mir fallen da auch noch ja Feuerglocken ein,
00:38:41: Sturmglocken, Nebelglocken. Also, es gibt ja wirklich sehr, sehr viel.
00:38:45: Und was mir aber auch aufgefallen ist, wir haben uns bisher ja sehr viel so mit der Vergangenheit beschäftigt.
00:38:50: Du hast gerade gesagt, natürlich klar, diese Rituale, Bräuche, die sind auch heute noch aktiv.
00:38:54: Aber was sind denn deiner Meinung nach so die größten oder
00:38:58: auch ja bemerkenswertesten Glockenereignisse der Gegenwart, wenn man das überhaupt so sagen kann?
00:39:03: Ja, die Glocken werden heute oft verwendet, wenn man was ganz besonderes hervorheben möchte.
00:39:07: So wurde z.B. im Gedenken an den Jahrestag des Attentats von 9/11 bei Ground Zero in New York eine Glocke zweimal angeschlagen.
00:39:15: Einmal zum Zeitpunkt, als das erste Flugzeug in den Tower flog und dann das zweite.
00:39:28: Oder 1995 gab es im Gedenken an den 50. Jahrestag der Bombennacht in Dresden.
00:39:34: Eine Komposition für alle 129 Kirchenglocken der Stadt. Über eine Stunde klang das durch die ganze Stadt.
00:39:50: In Hiroshima, der japanischen Stadt, wo die Atombombe gefallen ist, hängt eine Friedensglocke in einem Park.
00:39:55: Da gibt's einen sehr schönen Brauch: Jeder kann hingehen und diese Glocke anschlagen. Und die Idee ist eben,
00:40:01: dass damit die Botschaft des Friedens in die Welt getragen wird. Ein schöner Gedanke, Klang bringt Frieden.
00:40:11: Besonders skuril und gar nicht so lange her ist für mich allerdings der Austritt des Vereinigten Königreiches aus der EU.
00:40:17: Als Symbol wurde hier der Glockenschlag des wohl bekanntesten akustischen Signes der Welt genutzt:
00:40:22: Big Ben natürlich.
00:40:28: Der Brexit, also eben dieser Austritt von Großbritannien aus der EU, wurde mit elf Schlägen des Big Ben symbolisiert.
00:40:34: Elf Schläge? Warum eigentlich elf?
00:40:36: Naja, gültig wurde der Brexit zum Mitternacht zum 1.1.2021 in der EU.
00:40:42: Ah okay.
00:40:43: Aber im United Kingdom ist eine andere Zeitzone und eine Stunde früher. Deshalb erklangen eben auch nur elf Schläge. Völlig absurd.
00:40:51: Ich glaube, ich habe das auch in den Nachrichten gesehen damals, weil das super schräge dabei ist,
00:40:57: dass diese ganze Inszenierung ja nicht mal real war.
00:41:00: Also diese Schläge, die wurden ja als Aufnahme eingespielt, weil Big Ben in der Zeit,
00:41:04: glaube ich, ja ein Reparatur war und gar nicht so in echt läuten konnte.
00:41:08: Ja, besonders skuril fand ich eben, dass in der Live-Reportage in den Tagesthemen
00:41:12: nur diese Glockenschläge und dazu eine seltsame Projektion des Zifferblattes von Big Ben
00:41:17: auf das Gebäude Downing Street Number 10, dem Sitz des Premierministers,
00:41:21: fast eine Minute lang unkommentiert gesendet wurde und dann war es - der Brexit vollzogen.
00:41:29: Eigentlich bräuchten wir jetzt ein kleines Schlussglöckchen, Peter, weil wir kommen ja so langsam zum Schluss.
00:41:34: Wir wollen am Ende auch noch mal ein bisschen in Richtung Zukunft schauen. Wir waren ja sehr viel in der Vergangenheit.
00:41:38: Wir sind jetzt auch so in der Gegenwart angekommen. Ich frage mich oder frage dich auch,
00:41:45: werden Glocken so bleiben, wie sie sind? Wird sich ihre Bedeutung weiter verändern?
00:41:49: Wo siehst du die Glocke? Sagen wir mal, ich weiß eine große Zahl, in 1000 Jahren?
00:41:54: Aber in Glockenzeitrechnung ist ja, sind ja 1000 Jahre eigentlich nicht so viel.
00:41:58: Was für eine Frage. Ja, wir haben ja viel über die Bedeutung der Glocken und ihrer Klänge gesprochen,
00:42:05: aber letztendlich betrachtet sind Glocken natürlich Gegenstände aus Metall und diese können Jahrhunderte
00:42:10: oder Jahrtausende überdauern, wie uns ja eindrucksvoll berichtet wurde.
00:42:14: Ob wir dann in 1000 Jahren noch neue Glocken machen werden, das liegt wohl eher an uns.
00:42:19: Also ob wir die Botschaft von Frieden wie bei der Hiroshima Glocke
00:42:22: oder die Werte von Weisheit und Mitgefühl wie bei den tibbetischen Glocken auch umsetzen können.
00:42:27: Und ich wünsche mir, dass die Klänge der Glocken uns das immer wieder ins Bewusstsein rufen.
00:42:31: Das erinnert mich auch so ein bisschen daran, was mir Kurt Kramer erzählt hat.
00:42:35: Ihm habe ich nämlich auch die Frage gestellt, was er glaubt, was ist die Zukunft der Glocke?
00:42:40: Also, die Glocke hat an Bedeutung verloren. Müssen wir gar nicht drum herum reden.
00:42:46: Und ich glaube nicht, dass wir, wenn wir die Glocke beiseite schieben und sie einfach
00:42:53: aus unserem Gedächtnis verschwindeln lassen, dass das gut geht. Ich glaube es nicht.
00:43:00: Nicht weil ich jetzt von der Glocke begeistert bin, sondern weil ich ihre Geschichte kenne.
00:43:05: Es gab nicht eine einzige Ausnahme, wo Glocken schwiegen und die Menschen hatten noch was zu sagen.
00:43:12: Immer wenn die Glocken schweigen mussten, mussten auch die Menschen schweigen,
00:43:17: waren Menschenrechte und Menschenwürde bedroht. Zu allen Zeiten immer das gleiche Spiel. Es gab Krieg.
00:43:26: Glocken kamen weg. Menschen mussten schweigen. Menschenwürde wurde mit den Füßen getreten und die Glocke kam wieder
00:43:34: und alle haben sofort wieder versucht, Menschenwürde und Menschenrechte ins rechte Licht zu rücken
00:43:41: oder an die große Glocke wieder zu hängen.
00:43:43: Das sind natürlich starke Worte auch eher, muss ich sagen, ja, pessimistische Worte fast. Oder mahnende Worte könnte man sagen.
00:43:50: Magst du dem noch was hinzufügen, Peter?
00:43:52: Also, ich würde das für mich positiver formulieren, denn immer wenn die Glocken klingen, gibt's ja Aktionen.
00:43:58: Wir haben was zu feiern, wir haben was zu tun, wir müssen wohin oder wo weglaufen.
00:44:02: Wir zählen, wir messen die Zeit oder halten eben auch mal inne und denken nach.
00:44:08: Wie viele andere Klänge auch, ist der Klang der Glocken für mich mit unserem Leben und unserem Alltag verbunden,
00:44:13: also mit unserem Menschsein auch ganz allgemein.
00:44:15: Und das wird ja wahrscheinlich, hoffentlich auch noch in der Zukunft der Fall sein.
00:44:20: Ich glaube, damit sind wir am Ende fast angekommen. Wir müssen aber trotzdem noch Danke sagen, also einmal an Kurt Kramer natürlich
00:44:27: für sein Wissen und die vielen Klänge, die er mit uns geteilt hat für diese Folge.
00:44:33: Vielen Dank auch an Caroline Lauer für die redaktionelle Unterstützung, Moritz Reinisch für die Aufnahme
00:44:38: und natürlich auch vielen Dank an euch da draußen, wie man so schön sagt, für's Zuhören.
00:44:43: Und wenn euch die Folge gefallen hat, dann sagt's gerne weiter und empfehlt uns.
00:44:47: Abonniert die "Welt der Klänge" und folgt dem Podcast auf Spotify und Apple Podcast.
00:44:52: "It's all about listening" und es gibt noch viel Spannendes zu hören.
00:44:56: Ja, und einmal Danke sagen habe ich total vergessen. Peter, danke dir, dass ich das mit dir machen darf. Das war eine große Freude.
00:45:02: Ja, danke dir auch Christian.
00:45:04: Und damit sagen wir bis zur nächsten Folge. Macht's gut. Tschüss.
00:45:07: Tschüss.
00:45:18: Die Welt der Klänge.
00:45:24: Dies ist ein Podcast von Ars - Art Research Sound, einem künstlerisch wissenschaftlichen Forschungsprojekt
00:45:30: der Hochschule für Musik Mainz an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz.
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